Bundesregierung: Target-Kredite existieren nicht

Die Bundesregierung ist der Meinung, „Target-Kredite" würden nicht existieren. Bei den Forderungen von 550 Milliarden Euro, die Deutschland anderen Euroländern gegenüber hält, handle es sich lediglich um Verrechnungspositionen. Dies antwortete das Finanzministerium auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler.

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Die Bundesregierung ist nicht der Auffassung, dass die hohen Target 2 Forderungen Deutschlands zusätzliche Kredite an andere Eurostaaten darstellen. Dies antwortete das Bundesfinanzministerium auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler, die den Deutschen Mittelstands Nachrichten vorliegt. Er forderte eine Begründung, warum die Bundesregierung die Target 2 Forderungen nicht als Kredite einstuft. Gauweiler bezog sich dabei auf die Kritik von ifo-Institutsleiter Hans-Werner Sinn.

Sinn warnt vor dem Risiko der hohen Forderungen, sollte ein Land aus der Eurozone ausscheiden. Er befürchtet in diesem Fall könnte die Deutsche Bundesbank auf ihren Forderungen sitzen bleiben und so einen Verlust zu Gunsten anderer Euroländer erleiden.

In der Antwort auf die Anfrage von Peter Gauweiler heißt es, die Target 2 Salden dienten lediglich der Bilanzierung. „Target-Kredite“, wie sie der Chef des ifo-Instituts kritisiere, seien schlicht nicht existent. Bei den Forderungen und Verbindlichkeiten des Targetsystems handle es sich um „Verrechnungspositionen“, um die separaten Bilanzen nationaler Zentralbanken wieder auszugleichen.

Im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten kritisiert Hans Werner Sinn, die Regierung würde die Target 2 Forderungen von 550 Milliarden Euro verharmlosen (mehr hier).

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Kommentare

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  1. Klaus sagt:

    Das Festhalten am Euro und die Rettungssysteme wie EFSF und ESM gehen zu Lasten des Steuerzahlers und damit zu unseren Lasten. Die fehlende Möglichkeit des Bürgers, sich gegen eine derart massive Verschuldung des Staates auszusprechen, vermittelt das Gefühl des Verrats der Volksvertreter an dem von ihnen vertretenen Volk.

    Empfehlenswert hierzu: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/135/esm-putsch-gegen-das-eigene-volk.php

  2. Vanessa_ sagt:

    „Bei den Forderungen und Verbindlichkeiten des Targetsystems handle es sich um „Verrechnungspositionen“, um die separaten Bilanzen nationaler Zentralbanken wieder auszugleichen.“

    Auch wenn die Forderungen Deutschlands auf 5 Billionen steigen und diese dann als Verbindlichkeiten bei den Schuldnern auftauchen, ist die Bilanz immer noch ausgeglichen. Das ist insoweit richtig, Herr Schäuble. Aber eine Bilanz wird erstellt, um daran auch etwas ablesen zu können, Herr Schäuble! Nämlich das wirtschaftliche Ungleichgewicht der verschiedenen Länder. Jede Bilanz eines Unternehmens ist rein rechnerisch ausgeglichen, aber unter dem Strich steht trotzdem ein Erlös oder ein Verlust!

    Das grenzt schon an mehr als Dreistigkeit, dem Leser so viel Unwissenheit zu unterstellen. Scheinbar bestehen unsere selbsternannten Eliten nur aus Intelligenzallergikern und Realitätsverweigerern.

  3. die Simpsons sagt:

    Da wir unsere Exporte letztendlich selber bezahlen, ist die Antwort der Bundesregierung unter dieser Annahme folgerichtig – Ironie aus!

    • Zeitzeuge sagt:

      Soweit ist es noch nicht, aber wir Bürgen haften als Bürgen für die Kredite und Verbindlichkeiten der BuBa, die sie aufgenommen hat, um die Target2-Mittel auszureichen. Es handelt sich um ein Zwangsverschuldungssystem, in dem die Bürgen bzw. die BuBa keine Möglichkeit haben, sich der wachsenden Eigen Verschuldung zu entziehen und auch keine Rechte haben, daß die Gläubiger zwingend zur Rückzahlung bewegt werden können. Das Target-System ist an der Stelle ohne Rehctsrahmen, wie es z. B. bei Kreditvergaben und sonstigen Gläubiger-Schuldner-Verhältnissen üblich ist. Lediglich innerhelb Restdeutschlands sind die Haftunsgverhältnisse ganz klar geregelt: Die Steuerzahler und sonstige heranziehungsfähige Vermögensbesitzer werden als letzte von den berühmten Hunden gebissen udn müssen für die Kapitalfinanzierung der von der BuBa aufgenommen Mittel mit einstehen.

  4. Meinungsfreiheit sagt:

    Ein Interview mit dem früheren Bundesbankpräsidenten Helmut Schlesinger vom 11 März 2012.

    http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article13915232/Das-erinnert-an-die-Kriegsfinanzierung.html

  5. Michael H sagt:

    Das ist die Lösung! Ich bezahle auch einfach keine Rechnungen mehr und nutze die „Verrechnungsposition“ als Kredit zum Nulltarif! Super! Danke für den Tipp!

    Endlich mal eine Lösung die wirklich funktioniert! Super! Super! Hab schon ganz viel im Netz bestellt, was ich jetzt schnell in richtige Werte tausche!

    Juhu.

    Nein, ich bin nüchtern.

  6. fan sagt:

    EU und €uro wie im Karneval !

    Alles hat ein Ende, nur der €uro hat zwei:

    Das untere Ende für die belogenen und betrogenen Bürgerinnen und Bürger,
    das obere Ende für EU-„Führer“, Politiker und Banken.

    Und kein Ende kann das andere retten !

  7. Rico Coracao sagt:

    wie sagte Carsten Maschmeyer.. nehmt einen Kontoauszug, macht mit Tipp-Ex
    den Kontostand weg und schreibt 300.000 dort hinein..gibt ein gutes Gefühl 😀

  8. Milton sagt:

    Meine Achtung vor Herrn Gauweiler fängt langsam an zu steigen. Könnte der Gund sein, doch noch in der CSU zu bleiben.

    Eigentlich hatte ich vor mit Unterzeichnung des ESM auszutreten. Aber vielleicht hilft es trotzdem mehr, die Richtigen zu unterstützen.

    • Holger sagt:

      Herr Gauweiler war einer der Ersten und ist einer der wenigen die sich gegen dieses ganze EU Kontrukt wehren/gewehrt haben.

    • Murksel sagt:

      Ich fürchte nur der Herr Gauweiler steht mit seiner kritischen Einstellung gegenüber dem ESM und diesen ganzen Rettungsorgien allein auf weiter Flur in der CSU.

  9. Stefan Wehmeier sagt:

    Man mag von Herrn Prof. Sinn halten was man will, aber in diesem Fall hat er selbstverständlich Recht: Die „Target-2“-Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber der EZB sind letztlich nichts anderes als ein Kredit der Bundesrepublik Deutschland an den „Rest“ der EU, auf dem der deutsche Steuerzahler ganz oder wenigstens teilweise sitzenbleibt, wenn die „Europäische Währungsunion“ auseinanderbricht.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html

    • Vanessa_ sagt:

      „…wenn die “Europäische Währungsunion” auseinanderbricht.“

      Auch wenn man das Auseinanderbrechen vereitelt (eben durch diese ganzen billigen Bilanzierungstricks), sind die Forderungen trotzdem uneinbringlich. Warum sonst werden die Salden per Zahlung der entsprechenden Länder nicht ausgeglichen? Weil kein Geld dafür da ist. und das wird es auch in Zukunft nicht (woher auch, wenn sämtliche Länder der Südschiene immer tiefer in Rezession versinken).
      Wenn die Länder ihre Schulden bezahlen könnten, bedürfe es gar keinem Target-2-Saldo. Ergo ist es egal, ob die Union zerbricht oder auch nicht, da die Schulden einfach nicht bedient werden können. Aber die „Elite“ erfreut sich trotz allem an ihren ruhmreichen Gewinnen, dem Boom schlechthin und der deutsche Michel merkt erst, was los ist, wenn nichts mehr geht.

      • Stefan Wehmeier sagt:

        „Auch wenn man das Auseinanderbrechen vereitelt…“

        Das Auseinanderbrechen der Euro-Zone lässt sich nicht „vereiteln“, sondern lediglich noch etwas hinauszögern (dazu dient auch das „Target-2“-System).

        Tatsächlich ist die „Währungsunion“ nichts anderes als ein groß angelegtes Beschäftigungsprogramm für ansonsten im Kapitalismus arbeitslose Bürokraten. Ihre Auflösung bringt für alle Staaten Europas nur Vorteile. Zwar wäre es prinzipiell möglich, den Euro mit einer konstruktiven Umlaufsicherung zu versehen und damit eine echte Währungsunion zu schaffen, doch das würde bedeuten, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Zum einen müsste in diesem Fall auch ein zentral verwaltetes, allgemeines Bodennutzungsrecht für ganz Europa in kürzester Zeit geschaffen werden; zum anderen müssten komplizierte finanzielle Ausgleichsmechanismen installiert und verwaltet werden, um die seit der Einführung des Euros durch die Zinsumverteilung gewachsenen, wirtschaftlichen Differenzen zwischen den Mitgliedsstaaten über mehrere Jahre abzumildern, bis die selbstregulativen Mechanismen der Natürlichen Wirtschaftsordnung die Ungerechtigkeiten ganz beseitigen. Das sind schon wieder zu viele Konjunktive. Es ist einfacher und gerechter, wenn jeder Staat seine Bodennutzung selbst verwaltet und eine eigene, konstruktiv umlaufgesichterte Indexwährung mit einem der jeweiligen Binnenwirtschaft repräsentativem Warenkorb erhält. Freie Wechselkurse und der zollfreie Handel (Freihandel) zwischen den Staaten werden dann automatisch alle wirtschaftlichen Ungleichgewichte ausregeln. Danach können sich die Staaten freiwillig entscheiden, ob es für sie vorteilhaft ist, mehrere Währungsräume und die entsprechenden Bodenverwaltungen zusammenzulegen:

        http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/10/vollinvestition.html

        • dickbrettbohrer sagt:

          „Tatsächlich ist die „Währungsunion“ nichts anderes als ein groß angelegtes Beschäftigungsprogramm für ansonsten im Kapitalismus arbeitslose Bürokraten.“

          Richtig, Herr Wehmeier! Weshalb sämtliche Entscheidungen im Rahmen der EU-Politik und Wirtschaft aus Sicht ihrer Betreiber nur konsequent sind und nicht verrückt, wie es sich aus unserer Perspektive darstellt. Europa ist ein Geschäftsmodell, bei dem alle Schmarotzer, Parasiten, Klugschwätzer und überflüssigen Akademiker ihr Auskommen finden – finanziert von einer schrumpfenden Anzahl wertschöpferisch Tätigen. Die Arbeitsplätze in Politik, Administration und Beratung sind natürlich nicht wohlstandsmehrend, sondern wohlstandszehrend. Unter dem Strich lebt nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa von der Substanz.

          Unsere Politiker sind nichtnichten dumm, das muß man immer wiederholen! Sie agieren nach Plan. Nur ist es auf lange Sicht kein guter Plan, doch mit dem Faktor Zeit haben ohnehin alle demokratischen Systeme ein großes Problem. In der Demokratie herrscht starke Zeitpräferenz, man konsumiert lieber heute als morgen, langfristiges Planen gehört nicht zu den Charakteristiken der Parteiendemokratie. Und weil die Politiker betriebsblind sind, erkennen sie das wirklich nicht. Die meisten glauben das, was sie tun. Und diese sind viel gefährlicher als die Lügner unter ihnen.

          Die Politik und das Währungssystem sind zum Selbstzweck geworden – ein Schicksal von den meisten menschlichen Einrichtungen geteilt wird. Es dient nur noch dem Geldverdienen, der eigentliche, der dienende Zweck ist verlorengegangen. Exzessive Verzweckung ist eine Verfallserscheinung. Danach kommt stets der Zusammenbruch eines sinnlos gewordenen, hohlen Systems.

  10. annadomini sagt:

    Jetzt wirds ganz verrückt. Na, wenn schon Schäuble die Target2-Forderungen leugnet, können doch auch die Nehmerländer sich diese Weisheit annehmen. War dies also ein GESCHENK? Oder ein Verrechnungsposten, der gar nicht existiert? Bilanz? Negative Bilanz ohne Folgen für die Bundesbank? Mehr Verleugnung der Realität ist wohl kaum noch möglich! Diese Politkasper gehören wegen Irrationalität eingesperrt, das ist Schizophrenie, Irrsinn.
    Jeder, der so die Realität verzerrt, ist des Wahnsinns fette Beute, dummerweise müssen wir das dann ausbaden.
    Fischer hat gestern auf ZDF in einer Gesprächsrunde zugegeben, dass hinten rum die EU unter Dauerbeschwichtigung der Völker und unter Tatsachenverleugnung eingeführt wurde, ohne Anhörung der Völker, ohne Demokratie.
    Dies geschieht auch hier. Es ist ein katastrophaler Witz, eine Volksverdummung und Belügung sondersgleichen.

    • Zeitzeuge sagt:

      Das sollt ihm sein „Amt“ kosten samt aller Bezüge. Niemand darf das Volk ungestraft belügen!

    • Brainsworld sagt:

      Kann mir mal jemand sagen warum hier die Rede von Schäuble ist? Steht da irgendwo das Schäuble ihm dieses Antwort-Schreiben gesendet hat?

      • Zeitzeuge sagt:

        Treffen im Finanzministerium jetzt die Putzfrauen die Entscheidungen und sind die Verantwortungsträger? Dummschwätzer, psyops-verseuchter!