Israelischer Historiker: Grass ist kein Antisemit

Der israelische Historiker Tom Segev verteidigt den Dichter Günter Grass gegen den Vorwurf des Antisemitismus. Davon könne keine Rede sein.

Tom Segev, renommierter israelischer Historiker, zum Fall Grass: Der Schrifsteller sei kein Antisemit und kein Feind Israels. Sachlich sei die Kritik zwar unfair – aber alle Argumente von Grass würden auch in der Debatte in Israel selbst verwendet.

Ausführlicher Bericht zu Segevs Pro-Grass-Argumenten und das Gedicht im vollen Wortlaut – hier bei den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Außerdem : Schweizer Schriftsteller verteidigen Grass: Auch Deutsche haben Recht auf Meinungsfreiheit (DWN)

Kommentare

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  1. mueller sagt:

    Ok, wir wissen alle, es geht um Erdöl und Erdgas.
    Sollte es tatsächlich zum Erstschlag Israels kommen, wäre ein globaler Zapfsäulenboykott während mind. einer Woche eine recht mächtige Waffe, sämtliche Kriegstreiber mal dazu zu bringen, in der Runde ne Friedenspfeife zu rauchen und zu schauen, wie man das Volk, das ja zum Irakkrieg zahlreich protestierte, zu besänftigen.
    Kann das ein,e Facebooker,in dort in die Runde schmeissen bitte?
    Wir wollen kein Blut im Tank.

    • niekohle sagt:

      es wird mit Sicherheit zu einem Zapfsäulenboykott kommen wenn der Ölpreis auf über 200 $ steigt. Aber wer für einen IRAN-Embargo plädiert, sollte sowieso mindestens 3,– € / l zahlen.

  2. stromerhannes sagt:

    Diese nur auf den ersten Blick überzogene Kampagne gegen Grass hat eine überdimensionale Bedeutung.

    Da steht ein Volk, das sich über sehr lange Zeit als „Opfer“ darstellen konnte, mit dem Rücken zur Wand.

    Es muss an zwei Fronten kämpfen, weil sich herausgestellt hat, daß es sich in den Bereich eines „Tätervolkes“ durch seine Nahostpolitik manövriert hat. Des weiteren mehren sich die Stimmen, die eine Betrachtungsweise von Geschehnissen in der Vergangenheit in einem neuen, veränderten Licht völlig unverkrampft zulassen.

    Und für Erstaunen sorgen!!!

    Im Ergebnis ist dieses Volk aus dem Nahen Osten jetzt nicht nur international wegen seiner Politik gegen seine Nachbarn geächtet, sondern muss wohl auch demnächst auf seine ständige Alimentation in jeglicher Art verzichten, ohne die es wirtschaftlich nicht überleben kann. Auch der „grosse Bruder“ ist pleite und dessen Währung wackelt.

    Der Zeitpunkt wird bei einem Paradigmenwechsel eintreten, wenn alle Personen, die jetzt ihre Stimme gegen Grass erheben, als von eben jenen „Nehmern“ auf ihre derzeitigen Positionen Gehievten erkannt werden und dann keine Verantwortung mehr haben werden.

    Da bleibt der restlichen Welt nur zu hoffen, das ein kleines Volk wegen dieser grundlegend veränderten Tatsachen nicht einen „Präventivschlag“ herbeiführt.

    • niekohle sagt:

      sollte dieses kleine Land im Nahen Osten tatsächlich einen atomaren Präventivschlag ausüben, würde es sich damit selbst von der Landkarte tilgen. Ob mit oder ohne Hilfe des großen Imperiums, das sich im übrigen keinen weiteren Krieg mehr leisten kann ohne dabei selbst drauf zu gehen. Das Imperium zerstört sich gerade von innen heraus (Arbeitslose, Tafelkunden, vom Arbeitsmarkt ausgeschlossene, etc.) und das ist gut so, denn von außen ist es derzeit noch unbezwingbar.

  3. Waltraud Schlimm sagt:

    Ich weiß gar nicht was die ganze Aufregung soll.
    Grass hat ein mäßig gelungenes Gedicht geschrieben, aber mit einer zutreffenden Kernaussage.
    Er hat die Dinge beim Namen genannt und sitzt in der Ecke des Antisemitismus. Das ist in Deutschland leider normal. An Israel darf nichts kritisiert werden. Die halten das nicht aus, obwohl sie immer provozieren und die umliegenden Völker herausfordern. Grass liegt mir eigentlich so gar nicht. Trotzdem finde ich es gut, das er diese fällige Diskusion angestoßen hat. Wenngleich sein Gedicht nicht so wirklich gut ist.
    Eigentlich hat er nur ein Gedicht geschrieben. Warum denn die Aufregung? Jetzt auch noch das Einreiseverbot, das ist sehr viel Ehre für Grass. Ich bin gespannt was da noch kommt.
    Vielleicht wollen die Israelis kein Geld mehr von uns? Das wäre ja möglich, bei der Aufregung um des Kaisers Bart?

    • niekohle sagt:

      erschreckend, dass sie das Erschreckende für normal in D halten. Wir hatten doch wahrhaftig genug Erschreckendes, was in den letzten 100 Jahren von D ausging. Sich damit abzufinde halte ich für erschreckend.

  4. niekohle sagt:

    und noch mal
    hallo Petra.

    sie schreiben in ihrem Kommentar vom 9.4. 15:46 h“ Weil die weltweiten Verbrechen der faschistischen Diktatur nur durch die Bevölkerung möglich war. Schauen sie sich auch allein einmal die Mitgliederentwicklung der NSDAP von 1919 (65) bis 1945 an (7,5Millionen). Der Widerstand gegen diese menschenverachtende Regierung war verschwindend gering.

    Ich würde eine solche Aussage, in der Form dargestellt als Kausalzusammenhang, nicht wagen. Stellen sie sich nur mal vor, sie müßten um verbeamtet zu werden, der Einheitspartei beitreten. Da spielt es nicht mal eine Rolle, ob es eine rechte oder linke ist. Sogar Frau Merkel wußte das und verhielt scih entsprechend.

    in ihrem Kommentar vom 08.4. um 20:23 h fordern sie die Überwachung des israelischen Atomwaffenpotenzial. Da Israel offiziell weder Atomwaffen hat, noch den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat, fehlt hierfür jede völkerrechtliche Grundlage.

    ihr Kommentar vom 9.4.12:00 h…
    Eine weitere bittere Wahrheit für Israel ist, gäbe es nicht die äußeren Feinde, viele unterschiedliche Menschen dort würden sich wohl dann eben selbst, genau wie in manch anderem arabischen Land, die eigene Hölle auf Erden im eigenen Land schaffen.

    Die äußeren Feinde hat sich Israel größtenteils selbst zuzuschreiben. Mit dafür verantwortlich sind natürlich auch die Staaten, die 1949 die Gründung Israels in Nahost durch Landraub von Teilen Palästinas, veranlaßten. Die israelische Politik ist allerdings gegenüber ihren Nachbarn nicht mehr oder weniger kooperativ, als diese selbst. Gerade Israel hätte aber durchaus die Macht (durch seine Schutzmächte) die Hand zu reichen auf eine friedliche Nachbarschaft. Statt dessen hält es an seiner Doktrin fest, Palästina vollständig zu occupieren und die Palästinenser durch ethnische Säuberungen zu vertreiben.
    Israel betrachtet sich in der Tat als jüdischen Staat. Merkwürdig nur, dass wir mit unserer Wertevorstellung islamische Staaten als böse, altmodisch, etc. definieren. Bei den Muslimen graust es uns, wenn wir die Säkularisation, also die Trennung von Staat und Glauben, in Gefahr sehen. Für Israel nehmen wir das als gegeben hin.
    Übrigens scheint die Säkularisation inzwischen auch in D überholt. Unsere Regierungscheffin stammt aus einem, der Kirche eng verbundenen Elternhaus und unser neues Staatsoberhaupt ist Repräsentant eine Glaubensgemeinschaft.

    Soviel zunächst zu ihren Kommentaren.

    • Petra sagt:

      Wenn sie ihren Kommentar dahin posten wo er hin gehört, ist es einfacher den Zusammenhang zu erkennen.

      Falls sie dies gerne tun möchten, antworte ich ihnen auch gerne darauf

      MfG

  5. mümmel sagt:

    Wahrscheinlich bewahrte uns Günter Grass vor dem 3. Weltkrieg. So ganz nebenbei können die Boote nicht mehr nach Israel geschickt werden.

  6. Murksel sagt:

    Hier eine interessante Überlegung über das eigentliche Ziel des Grass-Gedichtes.
    Link:
    http://www.radio-utopie.de/2012/04/07/der-hintergrund-der-schrift-von-gunter-grass-ein-internationaler-plan/

  7. Albert Albern sagt:

    Ohne eine klare Markierung sind auch die Antisemiten schwer zu erkennen:

    http://www.google.de/search?q=Judenstern&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&channel=np&um=1&ie=UTF-8&hl=de&tbm=isch&source=og&sa=N&tab=wi&ei=Q82CT8iYCYmx0QXhp-GUBw&biw=1280&bih=633&sei=WM2CT-eVKIaf0QXZ6fHmBg

    Ein Dieb gibt doch nie zu, ein Dieb zu sein. Ein Antisemit gibt es auch nicht zu, Antisemit zu sein.

    Nur die Juden mussten sich bekennen…

    • mueller sagt:

      Und ich bekenne mich zum Frieden. Bin aber total partei- und gottlos 😉 gilt das?

      • Albert Albern sagt:

        Natürlich gilt das. Alle Menschen bekennen sich gerne zu dem Schönen oder Guten. Egal, was sie für schön oder gut halten. Und das Hässliche und Böse wird zumindest abgelehnt.

        Deswegen bekennt sich niemand freiwillig dazu, was man für hässlich oder böse hält…

        „Die Sonne scheint auf die Armen und Reichen, auf die Hässlichen und die Schönen.“
        Das hört sich auch nach Frieden an…

  8. WiKa sagt:

    Grass ist das krasse Beispiel für die immer noch währende Funktionsweise der ewigen Dauerkeule. Obgleich wir inzwischen in der Dritten Generation nach dem Horror leben, soll uns offenbar die Gnade der späten Geburt nicht gegönnt werden. Ich denke die Lektion die wir auch als Folgegeneration zu lernen hatten, die sitzt.

    Umso wichtiger ist es, und dafür muss man Grass dankbar sein, dass er seine „letzte Tinte“ in den Dienst einer überfälligen Korrektur gestellt hat. Abermals interessant ist der Zwiespalt zwischen der öffentlichen Meinung / Wahrnehmung und was der Mainstream in vorauseilendem Gehorsam wieder mal mit der Keule veranstaltet hat.

    Was verschwiegen werden muss, Kreuzigung des Günter Grass … Link

    Und dann diese Umfrage der FTD, oder haben sich da nur die ewig gestrigen mit ihrem Votum gemeldet. Ich verrate Ihnen die Zahlen einmal nicht, staunen sie selbst:

    Die Thesen des Günter Grass sind … (Umfrage-Link der FDT)

  9. niekohle sagt:

    gestern war ich begeistert von den DMN, dass sie sich tatsähclich auf´s Eis wagte um der Empörung über die Rufmorddkampagne gegen Grass eine Plattform zu geben. Ich muß sagen, die Kommentare hier sind moderat und weder rechtslastig noch hetzerisch. das mag vielleicht an der Moderation liegen. Falls ja, Kompliment für ihr Arbeit.

    Was nach meinem Verständnis allerdings garnicht geht, sind die Versuche des Redakteurs hier Haarspalterei zu betreiben, s. dazu meinen Kommentar an anderer Stelle. Es ist müßig, soche Haarspaltereien gibt´s anderswo schon zur genüge, sie sind überflüssig, weil es sind „die faulen Griechen“ wie unlängst in BLÖD zu lesen war. Es war frankreich und Großbritanien zusammen mit den USA, die Lybien bombardiert haben und nicht die Regierungen von Sarkosy, Obama, XYZ. Deutschland forderte den Gauleiter für GR. Es war Nazideutschland, das den Holocaust begann….

    Es wäre schön, wenn auch die Redaktion sich an die für die Kommentatoren geltenden Regeln hielt. Wenn sie das nicht schaffen, schließen sie den Blog besser wieder.

    • Petra sagt:

      @niekohle,
      ich finde sie sollten ihre Argumentation hier und auch ganz unten noch einmal gründlich überdenken, sie ist wirr, widersprüchlich und hinkt nämlich allen Ecken.

      • niekohle sagt:

        hallo Petra,
        ich finde das nicht. Wir sind also unterschiedlicher Meinung. Wollen sie mich jetzt deswegen mundtot machen oder lieber ignorieren? Beides sind taktische Manöver innerhalb der Strategie Andersdenkende auszuschalten. Erklären sie mir bitte, was sie für wirr halten, dann kann ich ihnen konkret daruf erwidern.

      • Robert sagt:

        ich kapiers auch nicht. Völlig wirr der Kommentar von niekohle.

  10. Markus sagt:

    Es ist erstaunlich, was das Gedicht von Hr. Grass bewirkt hat. Die „Empörung“ der Massenmedien wird zu deren Bumerang. Man liest immer wieder von abgeschalteten Kommentarfunktionen unter den Online-Berichten. Dort wo es noch erlaubt ist zu posten ist tendenziell ein Pro-Grass-Tenor zu lesen.

    Das zeigt doch, dass Grass für viele Menschen wie ein Befreiungsschlag gewirkt haben muss. Endlich ein öffentlicher Aufhänger, an den man sich anschließen, dessen Meinung man bestätigen kann.

    Die Anti-Grass-Medien schießen sich durch ihre diktierte Haltung ein Eigentor. Und geben damit auch unverblümt ihre Befangenheit zu.

    Aber das allerwichtigste ist für mich, dass der Israel-Iran-Konflikt oder besser der Konflikt der jeweiligen Regierungen nun auch von der Masse näher beleuchtet wird. Es ist zum öffentlichen Thema geworden!

    – Wie steht es um die Meinungsfreiheit wirklich?
    – Müssen wir uns immer noch Vorwürfe machen lassen?
    – Sollte man nicht auch mal das Verhalten Israels sehr kritisch hinterfragen?
    – Sollte man einen militärischen Konflikt nicht mit allen Mitteln verhindern? Schließlich ist die Gefahr eines 3. Weltkriegs so aktuell wie schon lange nicht mehr.

    Das und einige Fragen mehr werden jetzt gestellt. Da kann man sich nicht einfach nur mit Antisemitismus-Vorwürfen aus der Beantwortung dieser Fragen ziehen, jetzt muss langsam Tacheles gesprochen werden!

    • Brainsworld sagt:

      Da hät ich noch ne Frage: Ist es von Deutschland nicht etwas scheinheilig jetzt ein Waffenstop zu fordern, wo man doch erst vor ein paar Jahren beide Kriegsteilnehmer fleissig mit Waffen, U-Booten und Flugzeugen beliefert hat?

      Das is die Realität: Heimlich und mit möglichst wenig aufsehen ganze Nationen aufrüsten und wenn die sich bekriegen dann 5 Monate warten und dann ganz eifrig STOP rufen.

      Einfach krank!

      • Frieden in der Region sagt:

        „…beide Kriegsteilnehmer fleissig mit Waffen, U-Booten und Flugzeugen beliefert“ ?

        Das stimmt so nicht: Israel bekommt seit Jahrzehnten das Beste, was Deutschland (und der Westen) an Waffen herstellt, wenn es nur will, und dann zu reduziertem Preis oder, wie die ersten Dolphin U-boote zeigten, umsonst auf Kosten der Steuerzahler. Iran hat meines Wissens seit dem Sturz des Shahs im Jahre 1979 nichts mehr aus Deutschland (und dem Westen!) erhalten. Deren westliche Waffen sind also 4 Jahrzehnte alt und noch aus der Shahzeit oder kommen aus Russland, China etc. Im Gegensatz dazu hat Israel Zugang zu den neuesten konventionellen Waffensysteme der Amerikaner und Europas PLUS Atomwaffen in 100, 200, 300 oder manche sagen 400iger Anzahl. David versus Goliath, aber anders als sonst gedacht!

        Iran hat auch keinen einzigen Krieg mit seinen Nachbarn seit 1979 begonnen (im Gegensatz zu Israels wiederholten Angriffen auf Libanon) und halt auch kein Nachbarland besetzt (wie Israel mit dem Westjordanland, Ostjerusalem, den Golanhohen und dem Sudlibabon), sondern ist selbst das Opfer von einem Angriffskrieg gewesen. Wir erinnern uns: 1980 wurde der Iran von Saddam Husseins Irak (mit waffen- und nachrichtentechnischer Hilfe des Westens) konventionell und mit Giftgas angegriffen. Iran verlor damals zwischen 250-500,000 Menschen, vielleicht auch mehr, und machte Schulden von hunderten von Milliarden Dollar. Es hat also berechtigten Grund, seine Verteidigung aufrechtzuerhalten.

        Dazu wird Irans Wirtschaft seit Jahren systematisch unter Druck gesetzt mit dem Resultat, dass 1976 auf 1 DM 3 iranische Toman kamen und heute auf einen Euro etwa 1600!

        Der Weg zum Frieden kommt am Ende nur politisch und per Ausgleich gerechtfertigter nationaler Interessen in der Region zustande. Es wird Zeit, dass nicht mit der kurzfristigen Politik brutaler Macht, sondern mit Klugheit, Weitsicht und politischer Vernunft ein wirklicher Ausgleich in der Region angestrebt wird, so wie in Europa nach dem Krieg.