Großbritannien schlittert erneut in die Rezession

Entgegen der Erwartungen rutschte die britische Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres erneut in eine Rezession. Die Wirtschaft schrumpfte um 0,2 Prozent – ursprünglich ging man von einem Anstieg des Wachstums aus.

Es ist nur ein paar Monate her, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bemerkte, Großbritannien wäre in einer deutlich schlechteren Verfassung als Frankreich und sollte aus diesem Grund auch eher herabgestuft werden. Damals sorgte dies in Großbritannien für großen Aufruhr. Und irgendwie gingen die Briten einfach davon aus, dass sie nicht so stark von der Eurokrise betroffen sein werden. Nachdem die Wirtschaft zwar im letzten Quartal 2011 um 0,3 Prozent schrumpfte, rechnete man im ersten Quartal wieder mit einem Wachstum von rund 0,1 Prozent. Doch genau das genau das ist nicht eingetreten, die britische Wirtschaft hat sich nicht erholt.

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Die neuesten Daten der nationalen Statistikbehörde ONS zeigten am Mittwoch, dass das britische BIP im ersten Quartal 2012 um 0,2 Prozent gesunken ist. Damit rutscht Großbritannien in eine erneute Rezession. Die Produktionsleistung ist noch immer 4,3 Prozent unter dem ersten Quartal 2008. Der britische Dienstleistungssektor, der mehr als drei Viertel des BIP ausmacht, stieg lediglich um 0,1 Prozent an – was unter anderem einem großen Schrumpfen in Finanzsektor zuzuordnen ist. Die Industrie ging im ersten Quartal um 0,4 Prozent zurück. Hier ist vor allem die Bauwirtschaft entscheiden, diese fiel um drei Prozent, nachdem er im vierten Quartal 2011 bereits um 0,2 Prozent sank.

„Es ist eine sehr schwierige Wirtschaftslage“, äußerte sich Schatzkanzler George Osborne zu den Daten. „Es dauert länger als wir dachten, sich von der größten Schuldenkrise unseres Lebens zu erholen“. Das einzige, was die Situation nun noch verschlimmern würde, so George Osborne, wäre eine Verwerfung des Haushaltsplans und eine Anhäufung von Schulden. Der Generalsekretär des Trade Union Congress, der Dachverband der britischen Gewerkschaften, Brendan Barber sieht das ganz anders. „Sparmaßnahmen funktionieren nicht. Die Regierung sollte über den Atlantik schauen und der Alternative von Präsident Obama folgen“, denn diese „reduzierte die Arbeitslosigkeit und brachte das Wachstum zurück in die USA.“

Die neuen Daten zum britischen BIP kommen zu einer Zeit, da die konservativ-liberaldemokratische Koalition Großbritanniens gerade einen herben Rückfall bei den aktuellen Umfragewerten hinnehmen musste. Seit Wochen erntet die Regierung heftige Kritik für die unpopulären Steuermaßnahmen. Ein neuer Test des Vertrauens der Bürger werden nun die Kommunalwahlen am 3. Mai sein.

Entsprechend der negativen Nachrichten fiel der Pfund am Vormittag. Trader erwarten, dass die Regierung nun wieder ihr Anleihen-Kaufprogramm fortsetzt. Am Mittwochvormittag zeigte der FTSE 100, der wichtigste britische Aktienindex, noch ein Plus angesichts hervorragender Zahlen von Übersee. Apple verdiente im ersten Quartal 2012 fast doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Am Donnerstag beginnt dann aber in Großbritannien die Berichtssaison der heimischen Industrie. Und spätestens dann wird auch der FTSE 100 zeigen, wie die Investoren auf die neuesten Wirtschaftsdaten reagieren.

Kommentare

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  1. Grauber sagt:

    Oh – bitte nicht auf die Regierungen und ihre Häupter schimpfen.

    Sie alle leisten eine sehr gute Arbeit, nur nicht für ihre Völker –

  2. papperlapap sagt:

    Wenn am Ende Alles Einem gehört und alle Anderen nichts mehr haben, ob dann wohl der Eine mal teilen muss? Oder springen dann alle ins Meer?

  3. Sarah sagt:

    Dummes Volk.

  4. pharus forum sagt:

    Osborne gilt unter Europas Politiker als überfordert (Sarkozy: Halten sie doch endlich ihren Mund).

    Nicht ohne Grund, wie man sieht.

    http://www.pharus-forum.de/

  5. Stefan Wehmeier sagt:

    „Es dauert länger als wir dachten, sich von der größten Schuldenkrise unseres Lebens zu erholen“.

    Der „hohen Politik“ und allen vorgeblichen „Wirtschaftsexperten“ wird nichts anderes übrig bleiben, als das Denken den Freiwirtschaftlern zu überlassen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html

  6. Korsar sagt:

    Wer hat denn etwas anderes erwarten können? Nur mit einem Banken-und Investmentstandort, kann man kein Geld schöpfen. Das schöpft dort nicht der Staat, sondern, die Banken und Investment-Fonds. Die darauf warten, das Deutschland endlich den Ex geht. Damit man am zerlegen der Beute, noch einmal absahnen kann.

  7. jay twelve sagt:

    Sollte überhaupt jemand, der beim klaren Verstand ist, darauf achten was Sarkozy, Merkel, Schäuble, Osborne oder irgend ein EU-Quacksalber verkündet oder meint?

    Diese Leute, die sich für die größten Experten eines völlig illusorisch-unberechenbaren System halten, beweisen uns am laufenden Band, dass sie weniger Verstand vorweisen können, als ein Spatz, der niemandem Steure noch Zinsen berappt.

    Wenn in England oder irgend einem anderen Land die „Wirtschaft“ negativen Trend anzeigt, dann kann es daran liegen, dass die Zahlungkraft der Bürger von Abzocker (der Saat & Banken) gekapt ist, oder die Wirtschaft an Bedarf vorbei produziert, wahrscheinlich beide Faktoren nicht ausreichend synchronisiert sind.

    Man kann nicht zugleich laut furzen und festhalten, dann stinkt es im ganzen Land.

  8. armer Mann sagt:

    Ein Land mit einem Dienstleistungssektor von 70% wie soll so etwas prosperieren.
    Geht nur über Schulden machen. Wenn noch die weltweite Abzocke an der Börse wegfallen würde, wäre die Insel auf gleicher Höhe mit Portugal.

    • Rico Coracao sagt:

      Wobei Portugal noch die Sonne und das Meer hat!
      UK hat gar keine Industrie, nur Papiergeldhandel, Dienstleistungen & Service.
      Unser Nordkorea in Europa, die können nach dem Crash nur mit ihren Nuklearwaffen drohen, damit sie wenigstens noch Lebensmittel bekommen..
      Was war das für ein schönes Land, früher.

  9. Lockez sagt:

    Boah…. 0,2 % ???? Was für eine RIESEN Krise aber auch !!!!
    Ein kleiner Kratzer am Finger und schon wird gebrüllt als ob die Hand abfaulen würde. Hahahaha… selten solch ein fette Überschrift gelesen und dann kommt das mit den 0,2%.

    • Rico Coracao sagt:

      0,2% hört sich wenig an, aber bedenke, dass unser tolles Schuldzins-System immer Wachstum von ca 2-3% braucht damit es nicht zusammenbricht, das kannst du leicht googeln, so fehlt hier ein Wachstum von mindestens 2,2-3,2% , UK muss trotzdem die Schulden bezahlen + wachsende Zinsen

    • Smart sagt:

      @ Lockez: Die 0,2 % sind geschönt, Junge! Genau wie die 1-2 % Inflation! In Wahrheit beträgt die Inflation der zeit irgendwo zwischen 10-30%! Strom wird im Juni angehoben, um 10%! Benzin kostet mittlerweile 1,80-1,90 Euro/Liter, Gas ist auch erheblich teurer geworden und vöm ÖL reden wir erst gar nicht. Dazu kommen erheblich gestiegene Lebensmittelpreise und und und… Alles zusammen macht eine Inflation in 5 Jahren von ca. 70-80% – also eigentlich eine Preisverdopplung, wenn man so will. Geh doch mal zum Bäcker und frag einen, was ein Brot nun kostet! Du wirst aus den Latschen kippen.

      Die Einzigen, die heute nicht über die „Teuerung“ klagen sind Reiche/Mittelschicht (das was noch von der übrig ist, kläglicher Rest eben). Die haben ja auch genug. Aber Leute, die von 500 Euro/monatlich leben sollen, überleben schon 2x monatlich, ob sie sich nicht lieber umbringen sollen. Kam übrigens neulich auch im TV bei Wiso.

  10. Observer sagt:

    Entgegen wessen Erwartungen?
    Absurditäten zwischenzeitlich vermehrt auch hier! Schade, aber offensichtlich das Ergebnis der Medienkraken!