Kampf gegen die Schuldenlast: Spanische Familien wollen ihre Häuser nicht verlieren

Die hohe Arbeitslosigkeit könnte dazu führen, dass die spanischen Familien ihre Hypotheken nicht mehr begleichen können und sowohl ihre Häuser als auch ihr Vermögen verlieren. Noch stemmen sich die Familien dagegen, etwa, indem sie alles verkaufen, was sie an mobilen Wertgegenständen noch haben. Den spanischen Banken drohen dennoch Milliardenverluste.

Die Arbeitslosigkeit in Spanien stieg im ersten Quartal auf 24,4 Prozent und somit auf den höchsten Wert seit 18 Jahren. Der angeschlagene spanische Bankensektor, der auf Milliarden ungedeckter Kredite sitzt, könnte dadurch tiefer in die Krise rutschen. Einerseits könnte es zu Zahlungsausfällen bei den Hypotheken kommen und andererseits verlieren die als Sicherheiten für die Hypotheken hinterlegten Immobilien derzeit an Wert, was im Falle eines Zahlungsausfalls des Kreditnehmers ebenfalls zu Problemen führen könnte.

Das sei Unsinn, entgegnet Alfredo Saenz von der Banco Santander solchen Bedenken. „Hypotheken werden in guten wie in schlechten Zeiten bezahlt.“ Santander sagt, das Verhältnis der Zahlungsausfälle bei Hypotheken fiel sogar im ersten Quartal auf unter drei Prozent. In den USA hingegen liegt die Arbeitslosigkeit bei 8,2 Prozent und die Rate der verspäteten Zahlungen bei 7,6 Prozent, Irlands Arbeitslosigkeit von 14,3 Prozent steht einer Zahlungsverzugsrate von 9,2 Prozent gegenüber. „Es gibt einen seltsamen Kontrast zwischen der hohen Arbeitslosigkeit und dem überraschend niedrigem Niveau der Zahlungsrückstände bei Hypotheken in Spanien“, bekräftigt Georg Grodzki von Legal & Generl Plc in London. „Da stellt sich die Frage, ob die Kredite in den Büchern geändert wurden, so dass sie gut aussehen, auch wenn sie in der Tat schlecht sind.“

Ausstehende Hypotheken im Wert von über 600 Milliarden Euro sind in den Büchern der spanischen Banken verzeichnet. Und JP Morgan geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit noch bis auch 30 Prozent ansteigen werde. Aber Alfredo Saenz sagt, die Verzögerung von Raten oder gar Zahlungsausfälle werden dennoch nicht steigen. Spanier neigen dazu, stets ihre Hypothekendarlehen zu zahlen, weil sie nicht nur mit ihrer Immobilie, sondern mit ihrem gesamten Vermögen haften, wenn sie Pleite gehen“, bestätigt Lorena Mullor vom spanischen Immobilienverband. Sie könnten sich, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren, auf die Unterstützung ihrer Familien verlassen.

Santanders Hypotheken an spanische Haushalte beliefen sich Ende 2011 auf 59,4 Milliarden Euro – hier lag die Ausfallquote im März, der Bank zufolge, bei 2,6 Prozent im März. Ein Jahr zuvor noch bei 2,7 Prozent. Der zweitgrößte spanische Kreditgeber, die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA, hatte derartige Hypotheken im Wert von 79 Milliarden Euro.

Aber die Investoren trauen der niedrigen Ausfallquote nicht. Sie nehmen die Arbeitslosigkeit in Zusammenhang mit den Hypotheken durchaus ernst. Investoren verlangen derzeit 565 Basispunkte bzw. 5,65 Prozent, wenn sie über den EUROBIR hochwertige Anleihen kaufen, die mit spanischen Hypotheken abgesichert sind. Das ist ein Anstieg von 65 Basispunkten innerhalb eines Monats. Der EUROBIR ist der Zinssatz, den europäische Banken voneinander verlangen, wenn sie Einlagen mit festgelegter Laufzeit handeln.

Hinzu kommt, dass die Hauspreise in Spanien seit ihrem Höhepunkt 2007 um 21,7 Prozent gefallen sind und das Beratungsunternehmen RR de Acuna & Asociados geht davon aus, dass sie in den nächsten vier bis fünf Jahren noch um weitere 20 Prozent sinken können. In Irland haben sich die Preise seit 2007 halbiert. Allein eine Halbierung der Immobilienpreise wie in Irland würde hier zu Verlusten von 59 Milliarden Euro für die spanischen Banken führen. Die als Sicherheiten hinterlegten Immobilien würden enorm an Wert verlieren.

Kommentare

Dieser Artikel hat 32 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Knut34 sagt:

    Eigenheimquoten nach Land

    ES = 86%
    IE = 78%
    GR = 74%
    PT = 64%
    DE = 43%

    Warum begeben die PIFGIS keine Zwangsanleihen auf Immobilien? Hat DE auch schon 2 mal gemacht!

  2. Djubidu sagt:

    Interview zur aktuellen Wirtschaftslage:

    http://www.youtube.com/watch?v=xKfNotD6rAw

  3. louis-portugal sagt:

    Die ganze Famillien müssen mittbezahlen weil sie garant stehen.
    Wenn man nicht mehr bezahlen kan wird das Haus verkauft und haftet man für den Restschuld.
    So nicht in der V.,S. wo man das Haus bei der Bank einliefert und weg isst das Problem oder sogar alles liegen lässt und absieht.

  4. Lotus sagt:

    Wozu noch ewig debattieren. Die Spatzen pfeifen es vom Dach. Spaniens Banken sind Pleite, egal ob sie über Hypothekenkredite noch gespeist werden oder nicht. Wenn man ein Volk verarmen läßt, ist dies kein Wunder. Wäre im Übrigen auch in Deutschland so, wenn erst die Entlassungswelle kommt und Menschen ihre Häuserkredite nicht mehr begleichen können. Mit der Stromrechnung fängt es an, danach folgt die Hausrate.

    Das Wachstum in der Welt steht auf Stillstand, also ist es eine Frage der Zeit, wenn auch bei uns die Banken zahlungsunfähig sind. Siehe Commerzbank, die schon seit 3 Jahren herumdoktern. Die Immo-Blase in Deutschland wird platzen, das steht fest.

  5. jay twelve sagt:

    In dem System, der so alt ist wie die Nationalstaaten selbst, wird dauernd wiedernatürlich und auf allen Ebenen GEMAHLEN, GESIEBT & SELEKTIERT.

    Der Mensch wird durch die illegale Herrschaft-Ansprüche des Nationalstaates, zum willenlosen Objekt der SELEKTION, mehrere tausend Jahre bevor der Darwinsher Unfuglehre die EVOLUTION ersonnen wurde.

    Auffallend ist, das die Idee der SELEKTION, die Urmutter alle Ungerechtigkeiten, einer Minderheit von maximal 5% der Abartigen Herrsaft besessener Männer fasziniert und zu allerlei Unfug stimuliert.
    Die Abartigen verhalten sich gleich wie die Quecksilber im Goldhaltigen Schlamm.
    Die Quecksilber bindet das Goldstaub an sich, woraus dann eine extrem giftige, flüssige Amalgam-Legierung entsteht. Im übertragenen Sinne die abartige Obrigkeit, die das Gold= irdische Güte samt Geld wertvoll und den Sand= der Rest der Menschheit, als Abfall empfindet.
    Die Trennung vom Quecksilber und Gold kann durch Erhitzung, im übertragenen Sinne „Revolution“, voneinander erfolgen. Dieses Spiel wird ebenfalls von den Abartigsten, die nach Macht, Moneten und Gloria trachten und sich im Unfug übertreffend zusammen finden, fortwehrend gesponnen.

    Es sind also die Abartigen, ob kirchlichen oder weltlichen Fürsten, die uns diktieren, was in dem Sandhaufen „wertvoll“, „moralisch“ oder „minderwertig“ sein soll. Sie sind diejenigen, die auf die Beständigkeit des scheinbar Glänzendes fixiert sind.

    Die Mutter aller Dinge hat aber jedem Sandkorn, im übertragenen Sinne, jedem Ding und Lebewesen, egal was das ist, die absolute Existenz-und Gleichwertigkeit verliehen.

    Was wir derzeit karikativ weltweit und insbesonderen in den arm gewordenen Staaten erleben, ist die Kulmination der Abartigkeiten der Abartigen.
    Wir erleben eine gnadenlose SELEKTION, wo jeder die Quecksilber Rolle spielen möchte, bei der die humane Werte wie: Menschenwürde, Aufrichtigkeit, Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit, auf der Werteskala ganz unten rangieren.

    Die Allzeitlogik besagt: “ Man kann die wahre Werte nur so lange ignorieren, bis die Konsequenzen die Ignoranten eliminieren.“

  6. odin sagt:

    Es wird nur eine Frage der Zeit sein,bis die Stimmung auf den Siedepunkt angekommen
    ist in Spanien.Die Bevölkerung wurde veräppelt,kommt sie dahinter und verliert dabei
    alles,werden die temperamentvollen Spanier nicht Still halten und auf die Strasse gehen
    überall.Damit könnte ein Flächenbrand in Südeuropa einsetzen,den auch Brüssel nicht
    verhindern kann oder glauben die,sie können ganz Europa veräppeln?Wer als Jugend-
    licher keine Perspektiven hat ausser Arbeitslosigkeit,der muss Neue schaffen,das sollte
    Brüssel mal klar sein,man braucht nur in die Geschichte schauen!

  7. Richard sagt:

    Man mache sich einmal die Absurdität der Situation bewußt:
    In Spanien stehen ca. 5,6 Mio. Menschen auf der Straße und man gibt ihnen keine Arbeit, also Menschen, die Häuser bauen könnten – und andererseits verlieren diese Menschen dann ihre Häuser, weil sie diese nicht bezahlen können. Infernal der Fehlorganisation, wie sie in kapitalistischen Offenmarktsystemen typisch und gewollt ist.

    Was kostet diese systembedingte Fehlorganisation? Mal eine Überschlagsrechnung:
    Wenn 5,6 Mio. Menschen für die Bürger Spaniens Häuser bauen würden, so beliefe sich ihre Wertschöpfung pro Jahr auf ca. 5,6 Mio. Häuser mit einem Einzelwert von sagen wir 100.000 €. Insgesamt also eine Wertschöpfung 560 Mrd. €. Und niemand würde sein Haus verlieren.

    Falsches Wirtschaftssystem.

    Diese marktbedingte Fehlorganisation dann noch mit Krediten, Rettungsschirmen und Ähnlichem retten zu wollen ist nichts denn eine Umdenkverweigerung und der Wille, dieses Spiel weiter treiben zu wollen.

  8. odin sagt:

    Das Schnellballsystem wird so lange laufen,bis ein europäisches Volk auf die Strasse
    geht,es fehlen die richtigen Anführer,dann gibt es einen Flächenbrand in Europa!Ein
    Volk steckt das Andere an,gerade im Süden haben die Menschen mehr Temperament,
    der Siedepunkt wird bald erreicht sein.Wer glaubt,es bleibt alles so,der irrt sich gewaltig
    in Europa,man muss den Völkern nur mal die Realität erklären und nicht immer nur
    Phrasen dreschen,Propaganda hilft nur bis zu einem gewissen Teil,sie kann die Realität
    nicht ersetzen!

  9. Tacheles sagt:

    Die Eigenheimquote in Deutschland ist niedriger als wie die in Spanien!

  10. Carmen Fischer sagt:

    Schade um die kleinen Leute, die verlieren alles, samt Dach übern Kopf, aber insolvente Banken werden brav mit Steuergeld gefüttert, ich kenne keinen Bankanteilshaber, der nach 2008 ins Obdachlosenasyl gezogen währe.

    • FDominicus sagt:

      Ich frage mal anders herum, wer hat den Leuten eingeredet sie müssten ein eigenes Haus haben? Stand das jemand mit der Waffe in der Hand und verlangte: „Unterschreiben Sie diesen Kreditvertrag?“. Jeder der einen Kreditvertrag unterschreibt weiß, irgendwann kommt der Zahltag. Wenn man das nicht haben will muß man halt die Finger von derartigen Verträgen lassen.