Deutsche Top-Journalisten sind in US- und Nato-Strukturen verwickelt

Eine neue Studie belegt die Nähe der Journalisten zur politischen und wirtschaftlichen Elite. Die Netzwerkanalyse verdeutlicht auch enge Kontakte zu US- und Nato-Strukturen. Der Hauptvorwurf des Studienleiters: Die Journalisten weigern sich, ihre Netzwerke den Lesern offenzulegen.

Nähe und Verbundenheit zwischen Journalisten, Politikern und Wirtschaftsvertretern sind notwendig für die Informationsbeschaffung. Wenn jedoch diese Verbundenheit in die Berichterstattung nicht transparent gemacht wird, dann ist die Unabhängigkeit der Medien nicht mehr gewährleistet. Uwe Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig, hat in seiner Studie die Netzwerkverbindungen deutscher Top-Journalisten untersucht.

Journalisten bräuchten Distanz zu den Eliten, um fundierte Kritik üben zu können. Nur so könnten die Medien ihre Funktion als Kontrollinstanz der Mächtigen aufrecht erhalten, sagte Krüger in einem Interview mit Telepolis. Die Ergebnisse seiner Studie deuten darauf hin, dass diese notwendige Distanz in vertraulichen Runden mit Entscheidungsträgern aufgehoben wird.

Krügers Methode besteht darin, Netzwerk-Effekte aufzuzeigen: In seiner Netzwerkanalyse erstellte er eine „Landkarte“ aus 82 politischen Ereignissen und Organisationen, wie dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos oder der Münchner Sicherheitskonferenz. Bei diesen Ereignissen waren 64 Journalisten unterwegs – und zwar „außerhalb ihrer direkten beruflichen Pflichten wie Recherchen oder Interviews“, so Krüger.

Vier leitende Journalisten „der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt und der Zeit seien darüber hinaus „stark in US- und Nato-affinen Strukturen eingebunden“, lautet die wichtigste Erkenntnis aus Krügers Studie. Auffällig erscheint Krüger, dass keiner der vier Journalisten dazu bereit war, zu diesem Fakt Stellung zu beziehen.

Krüger, selbst Journalist, kritisiert seine Kollegen weiterhin heftig: Alle vier hätten an der Münchner Sicherheitskonferenz teilgenommen und die Gegner dieser Konferenz entweder „entweder verschwiegen, marginalisiert oder delegitimiert“. Es sei auch auffällig, dass „der Außenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung, Stefan Kornelius, ständig Wolfgang Ischinger über den Weg lief, dem Cheflobbyisten des Versicherungskonzerns Allianz, der auch die Münchner Sicherheitskonferenz veranstaltet“, so Krüger weiter.

Peter Struck definierte zu seiner Zeit als Verteidigungsminister den Sicherheitsbegriff sehr weitreichend: „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.” Viele Journalisten würden nach der Meinung Uwe Krügers diesen erweiterten Sicherheitsbegriff der Politiker unreflektiert übernehmen und ihre Berichterstattung über die Auslandseinsätze der Bundeswehr „ohne jegliche kritische Reflexion“ bis hin zur „Panikmache“ aufbauschen. So ein Journalismus hielte den Bürger in „Unmündigkeit“.

Krüger will in seiner Kritik jedoch nicht so weit gehen und seinen Kollegen unterstellen, sich direkt von sicherheitspolitischen Eliten beeinflussen zu lassen. Vielmehr sei es denkbar, dass Journalisten, die ohnehin ähnlich denken wie das politische und wirtschaftliche Establishment, zuerst in solche Elitekreise berufen würden. Die Affinität zum politischen Mainstream würde dann durch weitere Gespräche und Verbundenheit weiter gestärkt. „Journalisten mit Eliten-kompatiblen Meinungen haben bessere Chancen, Karriere zu machen, denn sie können im eigenen Haus und in der Branche mit exklusiven Informationen und hochrangigen Interviewpartnern punkten.“

Die Karriereleiter von Top-Journalisten beschert den Medienakteuren manchmal sogar ein Ehrenamt in einer politischen oder wirtschaftlichen Organisation. Krüger lehnt das strikt ab: In seinen Untersuchungen gäbe es beispielsweise einen „Außenpolitik-Ressortleiter und einen ZDF-Hauptstadtstudioleiter“, die durch ein solches Amt „die Bundesregierung in Sicherheitsfragen berieten“. Die Ergebnisse seiner Studie sind in dem Buch „Meinungsmacht“ zusammengefasst.

Kommentare

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  1. Dietmar Moews sagt:

    Sehr geehrte Benutzer hier und Redaktion dieser Mittelstandsnachrichten.
    Ihre Nachricht besteht nicht in Information, nicht in „Fakt“, sondern
    in „Meinung“, die angeblich wissenschaftlich begründet sei. Nur die
    Wissenschaftlichkeit wird nicht gezeigt – es ist blanke, unnachvollziehbare
    Meinung.

    Ich nenne kurz die nicht erwiesenen Meinungsbehauptungen des Autors:

    Sie behaupten: Journalisten brauchen Distanz zu den Eliten. Sie verkennen, dass nur gut informierte Autoren auswählen und berichten können. Wer es schafft, nach dran zu sein, ist deshalb nicht distanzlos oder bestochen. Journalisten auf diesen
    Ebenen sind ihrerseits Eliten. Mit einem verschrobenem Elitebegriff schaffen Sie Verwirrung und nicht Emanzipation. Wie definieren Sie denn „Elite“?
    Sie behaupten: Berichterstattung soll transparent sein. Sie verkennen, dass die
    Benutzer dieser Journalistenarbeit entweder die Arbeitsweise im Journalismus kennen oder kein Blatt benutzen, das schlecht gemacht ist. Es muss in der Überschrift erkennbar sein, was dann drinsteht. Wenn also „Sicherheitskonferenz“
    tituliert ist, will man keine Volkshochschule über folkloristische Journalismus-Vorurteile studieren, welche Bekanntschaften, welche Multifunktionen und welche Rollenwechsel ein Journalist benutzt, mit wem er beim Golfspielen duscht oder
    in der Flughafen Lounge spricht.

    Sie behaupten keiner der Journalisten wollte Stellung nehmen: So, wie Sie das schreiben, ist das irreführend. Richtiger ist vermutlich: keiner wollte Ihnen Auskunft geben (wieso sollte derjenige? Wer sind Sie?). Weiterhin sind diese Teilnahmen nicht geheim und nicht im Verborgenen, sondern es sind wichtige politische Events
    im öffentlichen Interesse.

    Sie behaupten, dass die bezeichneten Journalisten lückenhaft oder falsch berichtet hätten, so argumentieren Sie nicht. Sie müssten an Stellen kritisieren,
    wo Meinung und Tatsachverhalts-Information vermischt wurden – und, wo Meinung und Kommentar Ihre anders ausfallende Beurteilung heraufruft – aber bitte mit Argumenten.

    Sie behaupten, dass Waffengeschäft, Militär- und Kriegspolitik und Propaganda zusammengehören und mit maximalem Aufwand betrieben wird, ist bekannt. Peter Strucks Hindukusch-Hypothese ist geläufig und muss geprüft und beurteilt werden Gegenargumente sind gefordert, wenn man darauf die freie Publizistik und Wählermehrheiten für Parteien und Kandidaten ansprechen möchte. Der militärpolitische Parteien-Block
    in Deutschland erfasst und begeistert ja außer der Linkspartei den gesamten StaMoKap-Block von Blockparteien und Blockwählern. Das ist nun Ausdruck dieser Demokratie und der Mündigkeit und Urteilskraft dieser Gesellschaft. Ich bezweifele, dass Sie mit irreführender Beschimpfung, in der Mimik solcher „Mittelstands-Nachrichten, bessere Mündigkeit bewirken – wenn ich nicht dazu schriebe.

    Sie behaupten, dass ALLIANZ veranstaltet und Herr Ischinger wichtige Funktionen ausübt, ist eine wichtige Information für alle Leser, die das nicht wissen – dass in diesem Zusammenhang Personenkenntnisse notwendig sind und nicht abzulehnen und abzuwerten sind, müsste eigentlich jedem einleuchten. Wie will denn Herr U. Krüger über Herrn Ischinger berichten, wenn er sich nicht auskennt?

    Sie weisen auf Ihre Grafik: Ihre Grafik sagt gar nichts. Sie bringen da prinzipiell mich mit sich selbst in eine solche Grafik, allein, weil ich hier auf Ihren Beitrag in den „Mittelstands Nachrichten“ online reagiert habe. Die Sinn- und Zwecklosigkeit dürfte erkennbar sein. Denn ich bin empirischer Mediensoziologe und Sie, Herr U. Krüger, sind hier jedenfalls ein unwissenschaftlich vorgegangener Publizist.

    Abschließend: Beweisen Sie Bestechung und Bestechlichkeit, wenn Sie davon wissen. Der Rechtsstaat und seine überforderten Staatsanwälte brauchen konkrete Vorhalte, um die rechtsstaatliche rechtspflegerische Kultur auftrechtzuhalten. Aber Sie müssen stets Beweise, Argumente, Beweismittel, Zeugen, Konkludenz und Widersprüche genau ausweisen – nicht, wie hier, allgemeine Verdächtigungen und Ressentiments mit nicht nachvollziehbarer Meinung zu nähren versuchen.
    Mit freundlichem Gruß an die Leser

  2. Dalien Forester sagt:

    Alle Straßen, oder Netzwerke enden und beginnen in Santa Mira, der Geist jagenden Stadt…
    http://www.youtube.com/watch?v=UbQgvrlL6go

  3. frau nachbarin sagt:

    das ist ja das große problem: durch die medien und deren mitarbeiter wird gezielt desinformation zugunsten der elite betrieben.
    kritik und hinterfagen sind fremdworte geworden, da es sonst die eigenen pfründe beträfe.

  4. Theo sagt:

    Mal ehrlich. Das war doch klar. Journalisten werden geschmiert, ist ja bekannt!

  5. MadChengi sagt:

    Darum gleicht die weltweite Berichterstattung der intl. Medien/Presse/Nachrichten seit 9/11 wie eine gleichgeschaltete Upgrade Version 2.0 von GOEBBELS. Die „Kräfte/Mächte“ die Deutschland/Hitler für das „reinigende Feuer“ des 2. WK benutzten haben nun die USA/Israel gekapert, als Brandbeschleuniger für „ihre Neue Weltordnung“. Bargeldverbot = Executive Order 6102 (Roosevelt/USA im 2. WK) Luzifer ist wieder mal fleissig bei der Arbeit!

  6. Frank sagt:

    Es lebe die Hofberichterstattung!

  7. Hans von Atzigen sagt:

    Auch wenn es nur selten deklariert ist,es ist immer drin,der Vaktor Mensch.Teils bewusst, teils aber auch unbewusst.Jeder Mensch hat seinen eigenen Horizont den er vermittelt.Für den Meinungskonsumenten muss im eigenen Interesse gelten,Prüfen-Hinterfragen-Quervergleiche ziehen.Im Uhreigendsten Interesse aller, jedoch gilt es die kostbarste Errungenschaft des Abendlandes bedingungslos zu verteidigen.Die uneingeschränkte Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt.Denn dies ist die Kernbotschaft der Aufklärung,die Kernbotschaft des Liberal-Humanistischen Weltbildes.
    Denn ohne bedingungslose Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt gibt es keine Freiheit,keine Menschenrechte,keine Menschenwuerde,keine Demokratie,keine humane Zifilisafion.Eine Zifilisation die bedingungslose Meiungsfreiheit nicht akzeptirt und ohne wenn und aber schützt ist ,,krank,, ihr droht schwerer Schaden, oder ist dem Untergang geweiht.

  8. Wolfberg sagt:

    Pft, überrascht hätte mich nur das Gegenteil. Der Großteil der Presse ist doch mit Hofberichterstattung noch wohlwollend umschrieben!

  9. sunburstsun sagt:

    Gemäß Colemans ‚Tavistock: Auftrag Manipulation‘ infiltrieren sich die ‚Herrschaften‘ und ‚Dämlichkeiten‘ seit geraumer Zeit selbst. (Oder vgl. ‚Das Kommittee der 300, ebd.)
    M.E. bedauernswert für die ganze Menschheit.
    LG

  10. Nostradamus sagt:

    …..mann kann lesen, dass die deutsche Presse bis zum Jahre 2099 nichts negatives über die sogenannten Alliierten schreiben darf

    …. ist es wahr oder falsch ?

    Bisher konnte ich auch noch keinen einzigen scharf geschriebene Artikel bezüglich dessen irgenwo lesen.