Börsensteuer wird zum Problem für Unternehmen in Europa

Neben der Enteignung von Bank-Kunden zielen die Euro-Schuldenstaaten mit der geplanten Börsensteuer auf die Aktionäre bei börsennotierten Unternehmen. Dies sind in unter anderem große Pensionsfonds. Rentner wie Kleinaktionäre dürften große Teile ihrer Anlagen verlieren. Eine Kapitalflucht aus Europa droht.

Zur Lösung der europäischen Schuldenkrise sollen Steuerzahler, Sparer und Gläubiger herangezogen werden. Aber auch jene Anleger, die ihr Geld im Vertrauen auf die Wertbeständigkeit eines Unternehmens gesetzt haben, werden enteignet. Nichts anderes ist nämlich die Finanztransaktions-Steuer. Diese von elf EU-Staaten geplante Börsensteuer wird Anleger nämlich empfindlich treffen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte am Freitag in Ulm, dass man die Börsensteuer einführen müsse, auch wenn sie nur in Europa zum Tragen komme. Global werde es nie dazu kommen. Schäuble sagte: „Vor mir aus kann sie sofort kommen.“ Allerdings würde es noch eine Weile dauern, bis die Börsensteuer umgesetzt sei.

Das ist allerdings eine rein taktische Aussage, um den Widerstand gering zu halten.

Denn die sich immer weiter verschuldenden Euro-Staaten brauchen jeden Cent – und treiben daher die Steuer voran. Um sie rasch umzusetzen, beruhigt Schäuble nach außen. Man will die Steuer ohne große Öffentlichkeit durchpeitschen – wie alle bisherigen Rettungsmaßnahmen.

Die Steuer wird allen Unternehmen Schwierigkeiten bereiten, die an der Börse notiert sind. Wenn die Gewinne wegen der Steuer geringer werden, geraten die Kurse unter Druck. In einem ohnehin schon hochgradig manipulierten Umfeld wird es für die Anleger immer schwieriger, ihr Geld mit rationalen Überlegungen irgendwo anzulegen.

Die geplante Börsensteuer würde die nämlich am Ende vor allem die realen, börsennotierten Unternehmen massiv belasten. Die deutschen Unternehmen müssten mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr rechnen, so eine Analyse des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Die Unternehmen werden die Kosten selbstverständlich an die normalen Bürger weiterreichen. In diesem Fall nicht durch höhere Preise, sondern durch niedrigere Kurse und geringere Dividenden.

Auch die deutschen mittelständischen Unternehmen würden die Folgen spüren: Verschlechtert sich die Ertragslage bei den Unternehmen, geraten als erste die mittelständischen Zulieferer unter Preisdruck. Durch eine solche Entwicklung kann den Unternehmen ein erheblicher Wettbewerbsnachteil erwachsen.

„Die Finanztransaktionssteuer hat enorme Breitenwirkung und ist ein direkter Schlag gegen die exportorientierte deutsche Wirtschaft“, sagte Christine Bortenlänger, geschäftsführendes DAI-Vorstandsmitglied.

Die Steuer fällt an, wenn Unternehmen Derivate kaufen. Mit deren Hilfe sichern sie sich etwa gegen Währungsschwankungen ab oder kontrollieren ihre Zins- und Rohstoffkosten. Auch der Wertpapierhandel, die betriebliche Altersvorsorge, das Liquiditätsmanagement oder die Finanzierung über den Kapitalmarkt sind von der Steuer betroffen.

Der Entwurf der EU-Kommission sieht vor, Abschläge von 0,1 Prozent auf Aktien- und Anleihen-Geschäfte und von 0,01 Prozent auf Derivategeschäft zu erheben (mehr hier).

Bortenlänger sagt: „Wer mit den vermeintlich niedrigen Steuersätzen argumentiert, streut den Leuten Sand in die Augen.“ Schon ein einfacher Wertpapierkauf durch einen Pensionsfonds könne leicht drei bis vier Mal der Steuer unterliegen. Und diese Mehrfachbesteuerung könne leicht dazu führen, dass die Transaktionssteuer bei deutschen Unternehmen die Hälfte ihrer Steuerlast ausmacht, so die DAI-Studie.

Das DAI ist die Vertretung der börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften, der Banken, der Börsen, der Investoren und anderer wichtiger Marktteilnehmer. Sie sind in großer Sorge, weil ihnen die Anleger abhanden kommen könnten. Die Börsensteuer könnte zu einer großen Kapitalflucht aus europäischen Unternehmen führen – mit weitreichenden Konsequenzen.

Denn die Eigentümer der meisten deutschen Aktiengesellschaften kommen aus allen Teilen der Welt. Der Daimler-Konzern etwa gehört nur etwa zu einem Drittel deutschen Anlegern und Institutionen (siehe Grafik).

Zwangs-Abgabe, Bailout über Steuergelder, Gläubigerbeteiligung und Beteiligung der Bond-Holder sind bereits zur Euro-Rettung auf den Weg gebracht.

Ein viertes Mittel der Enteignung von Vermögen soll die Börsensteuer darstellen, wenn es nach dem Willen der Euro-Retter geht. Diese Steuer geht vom Gewinn der Unternehmen ab. Dadurch wird es für das Unternehmen schwieriger, Dividenden an die Aktionäre auszuzahlen. Und damit würde den Bürgern ein weiterer Weg abgeschnitten, ihr Geld sicher anzulegen.

Dies ist einer der Gründe, warum die Schweden gegen die Börsensteuer sind: Anders als in Deutschland erwarten die Schweden ihre Altersversorgung nicht ausschließlich vom Staat. Große Pensionsfonds sind an den Börsen engagiert. Sie wissen, was ihnen blüht, wenn die Unternehmen die Dividenden kappen müssen oder die Kurse wegen niedriger Gewinne absacken. Dies kann zur Enteignung der Rentner führen.

Auch deutsche und andere Rentenfonds – etwa die berufsständischen Fonds für Ärzte oder Anwälte – haben in Aktien investiert.

Allgemein gelten Aktien neben Rohstoffen und Edelmetalle als eine zumindest ansatzweise berechenbare Anlage: Wenn man sich bei einem Unternehmen und in einer Branche gut auskennt, kann man mit Aktien versuchen, den allgemeinen Manipulationen und Schneeball-Systemen zu entkommen.

Doch wie man beim jüngsten Gold-Crash gesehen hat: Die Euro-Schulden-Staaten gehen in ihrer Geldnot auf alle Anlageformen.

Mit der Börsensteuer wollen sie ein weiteres Anlagesegment schröpfen.

Die Fülle der geplanten Enteignungen deutet darauf hin, dass die Probleme hinter den Kulissen gigantisch sein müssen.

Vermutlich wissen EU, EZB und IWF, dass die vom IWF ursprünglich genannte Zahl von 2 Billionen Euro für die Rettung der Einheitswährung näher an der Wahrheit liegt als die 700 Milliarden, über die der ESM verfügt.

Das will man Bürgern, Bankkunden und Anlegern allerdings nicht mehr sagen.

Die Politik will Fakten schaffen – und zwar so schnell als möglich.

Dies können Staaten effizient und erzwingbar mit Steuern, Zwangsabgaben und Enteignungen.

Wir erleben im Moment eine Menge Kreativität in diesem Bereich.

Kommentare

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  1. Margrit Steer sagt:

    Dann überlegt mal alle, seit wann wir die Verwerfungen in unsrem Land habe
    Weg von Demokratie und wieder hin zu einer Diktatur.
    Exakt seit der Wende.
    Denn mit der Wende haben wir auch den sozialistischen Ungeist bekommen, da Kohl den Fehler von 1945 wiederholt hat.
    Einige Ossis haben unsere Parteien gestürmt so nach dem Motto „gestern war ich noch ein 200%iger DDR’ler, evtl, sogar SED-Mitglied oder gar Stasispitzel, heute bin ich, weil die Mauer gefallen ist, ein lupenreiner Demokrat“
    Keiner wurde je überprüft.
    Der ganze Bundestag ist doch voller Wendehälse, angefangen bei dieser Kanzlerin bis hin zu dem Schwätzer Gauck

  2. Margrit Steer sagt:

    Schjäuble und Merkel sind die größten Volksverbrechr seit Ende des 2. WK
    Sie geben keine Ruhe, bis Deutschland völlig platt it, dan schnappen ie zu und wenn wir morgens aufwachen, haben wir wieder stramme Diktatur, denn genau darauf läuft es hinaus

  3. Adolf Steinführer-Brückpeer sagt:

    Die Politiker EU-weit, eigentlich fast weltweit, sind naive, dumme, korrupte Vollidioten, fast einer wie der andere, die alles tun, um das eigentlich Problem – unser sozio-ökonomisches System, d. h. die zinsbasierte Geldentstehung für Eigentum statt für Leistung – nicht zu lösen im Sinne von beenden und ersetzen sondern die gesamte Welt Eigentum der Banken werden zu lassen.

    Man sollte diese irren Volks- und Landesverräter, die Agenten der NWO-Protagonisten, alternativlos mit Schimpf und Schande aus dem Land jagen.

    Leider sind die Menschen durch ARD und ZDF und die vielen anderen Systemmedien inzwischen so derart verblödet, dass sie selbst einfachste Zusammenhänge und logische Folgen nicht mehr begreifen.
    Der Zinseszins ist so Baustein wie auch, dass die Kreditgelder, die die Staaten sich ausleihen, statt sie selbst zu drucken, drucken lassen – bei privaten Banken. Na, klingelt es? Was wäre, wenn Sie das auch dürften?

    Wenn die Zinsen dann für dieses Selbstgedruckte irgendwann nicht mehr leistbar sind durch den exponentiell wirkenden Zinseszinseffekt, dann nehmen diese Banken, großzügig wie sie sind, auch mal Tafelsilber, tja, der Bankster gönnt sich ja sonst nix! Idiotenpolitiker dagegen stellen in dieser Phase sicher, dass der Bankster auch garantiert priorisiert die Zinsen bekommt (für das aus der dünnen Luft gezauberte), und verkaufen ihre Lösung dann unter dem Begriff Schuldenbremse an die dummen, dummen Lämmer.

    Aufgabe für Harry Couch-Potato: Bilden Sie die logische Folge!

  4. Mike sagt:

    Uuuaaahhh, ich hab ja schon solche Angst!!! Wo soll ich nur hin mit meinem vielen Geld…? Verdammt, vielleicht schnell noch ne Luxusjacht kaufen – damit kann ich dann aus dem ganzen System aussteigen und zwischen den zukünftig wohl seltener werdenden Steueroasen hin- und herzischen. Macht eine dicht, gehts mit dem ganzen Zaster physisch zur nächsten. Bis keine mehr da ist – was aber sehr wahrscheinlich niemals passieren wird. In der Zwischenzeit wären vielleicht Zahlungen an ausgewählte Journalisten und Stiftungen ganz gut. Damit lässt sich dann Volkes Meinung auf der ganzen Welt beeinflussen. Irgendwann wählen die Deppen dann auch wieder die Richtigen!

  5. fan sagt:

    Hinter allem stehen Kreise und Interessen, die Deutschland und Europa platt machen wollen – es ist mir jedoch unverständlich, wer und mit welchen Absichten und warum dieses vorbereitet wird..!

    Wie wäre es, DMN, wenn Sie dazu mal Ihre Einschätzung, Ihre Vermutungen äußern würden, oder machen Sie sich darüber keinerlei Gedanken..?

    Ihre Leserschaft wäre Ihnen dafür ganz sicherlich dankbar..!

  6. Dietmar Fürste sagt:

    Eine Währung, die mit ständig steigendem Einsatz „gerettet“ werden muss, ist ebenso wertlos, wie die Verfechter solcher Enteignungsorgien charakterlos sind!

  7. Nicht nur kommentieren ... sagt:

    und kritisieren … sondern unternehmt doch aktiv was.
    Bringt Euch ein in die „Union der Menschlichkeit“. Das klingt jetzt für einige vielleicht abgehoben, aber diesen Prozess der lautlosen Kritikverteilung und -diskussion haben wir schon hinter uns gelassen. Sicher ist es wichtig, daß man sich informieren muss, um auf der Höhe der Zeit zu sein, um das Unrecht zu erkennen. Aber wer von den vielen Unwissenden und Uninteressierten liest das. Wir werden so nicht mehr! Es wachen viel zu wenige auf!
    Deshalb haben wir uns entschlossen, dort, wo dieses „offizielle Recht“ verabschiedet wird, gegenzusteuern.
    Kurz: Wir müssen den Weg über eine Partei gehen, um die Interessen und das Wohl Aller vertreten zu können.
    Wir haben am 21.4. diese Partei gegründet – die auf Euch wartet, um Eure Mithilfe bittet, damit wir am 22.9. bei der Bundestagswahl antreten können.

    Bitte informiert Euch – und wenn es Euch im Herzen anspricht, nehmt unmittelbar Kontakt mit uns auf.

    Wir warten auf Euch! Nur wenn wir uns zusammentun – sind wir stark!
    Also laden wir Euch herzlich ein bei uns mitzuarbeiten!
    Denn wir brauchen Euch alle dazu! Informiert Euch bitte unter http://www.bzwa.org.
    Dort warten Menschen, wie Du und ich, auf Dein Engagement, Deine Kompetenz und Deine Mitarbeit.
    Und Du wirst sicher allen Punkten unseres Programms und unserer Gesinnung zustimmen. Da sind wir zu 100 % sicher. Lies unsere Beweggründe!

    Gibt Dir einen Ruck – und sei aktiv, arbeite mit!
    Wenn nicht Du, oder wir – wer dann – es ist unser Leben!
    Steuern wir es mit und lassen uns nicht mehr nur bestimmen!

    Denn wenn Du bis nach der Wahl wartest – dann kannst Du weitere 4 Jahre vor Deinem Bildschirm Kommentare schreiben. Willst Du das wirklich?
    Also kommt zu uns ….. und macht mit!

    Danke!

  8. so-ist-es sagt:

    >Die Politik will Fakten schaffen – und zwar so schnell als möglich.<

    Und wir sollten für einen blaue Bohnen-Eintopf sorgen.

  9. Michael Werner sagt:

    was für ein Schwachsinn, die Börsenumsatzsteuer gabs Jahrzehntelang . Erst als dieser unsägliche Kanzler Kohl sie beseitigte auf Druck einiger Investoren diese beseitigte war Schluss damit und das Casino incl. high frequency Handel möglich.

  10. Bogumil sagt:

    verlogener geht es kaum noch.
    Im TV wird uns immer wieder seitens der Politik geraten, selbst etwas für eine zusätzliche Altersversorgung zu unternehmen.
    Im Hintergrund wird derweil schon daran gearbeitet, wie man jegliche Initiative am besten besteuern kann.
    Dieser Staat hat mittlerweile jegliches Augenmaß dafür verloren, was man sich mittels Besteuerung vom Eigentum seiner Bürger nehmen darf.