Katholische Kirche spricht sich gegen Nationalstaaten aus

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, glaubt, dass die Zukunft Deutschlands in Europa liegt, nicht in der „Rückkehr in die Nationalstaaten“. Der Euro sei alternativlos, weil er die Europäer „zwinge, weiter zusammenzukommen“. Für die eurokritische Partei Alternative für Deutschland wünscht sich der Erzbischof ausdrücklich, dass „die nicht in den Bundestag einziehen werden“. Der Fall zeigt, wie tief sich die EU-Ideologie bereits in die deutsche Gesellschaft gefressen hat.

Der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat in ungewohnt offener Form in den Bundestags-Wahlkampf eingegriffen: Er sagte in einem Interview mit dem Badischen Tagblatt auf die Frage, was denn die wichtigste außenpolitische Aufgabe der neuen Bundesregierung sein werde:

Zollitsch: Das ist die große Aufgabe, Europa weiterzubauen. Denn wir brauchen Europa. Wir sollten jetzt in der Finanzkrise nicht die ganze Schuld nach Brüssel schieben; denn es sind viele Länder, die zu der Krise beigetragen haben. Wir müssen den Ländern, die Hilfe brauchen, wirklich helfen – aber sie auch zur Selbsthilfe verpflichten. Ich sehe auch keine Alternative zum Euro. Denn der zwingt uns, weiter zusammenzukommen. Und ich bin froh, dass die baltischen Staaten sagen: Unsere Zukunft liegt im Euro.

BT: Die Alternative für Deutschland, die die Wiedereinführung der D-Mark fordert, hat nicht Ihren Segen?

Zollitsch: Nein, unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.

Dies ist ein bemerkenswerter Auftritt: Bisher galt es als Tabu, dass ein Kirchenführer parteipolitische Wahlempfehlungen abgab – und sei es, durch den Ausschluss einer Partei. Es ist das demokratische Recht jeder Partei, sich zu bilden und zu kandidieren.

Dass man einer Partei pauschal vorwirft, nur aus ein „paar Nostalgikern“ zu bestehen, ist aus dem Munde eines Kirchenführers unseriös und unzulässig. Die Alternative für Deutschland (AfD) reagierte auf die Exkommunikation empört: Beatrix von Storch attackierte in einem offenen Brief den Erzbischof und forderte eine Erklärung, ob Zollitsch wirklich im Namen aller katholischen Bischöfe gesprochen habe (im Wortlaut bei der Freien Welt).

Die AfD-Leute sind von der Zollitsch-Ohrfeige besonders verletzt, weil sie klasssiche wertkonservative Bürger sind. Die meisten sind langjährig verheiratet, viele davon treue und praktizierende Katholiken – denen eine solche Schelte wirklich wehtut. Storch fragt daher in ihrem Brief mit einiger Berechtigung, warum der Bischof nicht die Grünen oder die Piraten attackiere, wo diese Parteien doch – anders als die AfD – die klassische Vater-Muter-Kinder-Familie nicht mehr als erstrebenswert ansehen.

Wirklich bemerkenswert ist jedoch Zollitschs Denunziation der Nationalstaaten. Der Kirchenführer unterstellt, dass die Nationalstaaten bereits abgeschafft sind – anders wäre eine „Rückkehr“ nicht zu erklären. Da die meisten Deutschen von der Abschaffung der Bundesrepublik Deutschlands noch nichts mitbekommen haben, muss man den Erzbischof fragen: Weiß er etwas, was wir nicht wissen? Er hofft ja, dass diese „Frage auf Dauer überwunden“ sei. Demnach ist der Deutsche Bundestag in der Tat entweder eine Folklore-Veranstaltung, eine Fata Morgana oder aber eine Illusion.

Auch die Reduktion der Euro-Krise auf das Fehlverhalten einiger „Länder, die zu der Krise beigetragen haben“, zeugt von einer abenteuerlichen politischen Ahungslosigkeit.

Diese untermauert der oberste Chef der deutschen Katholiken schließlich in seiner Vision über den zwingend notwendigen EU-Beitritt Serbiens.

Zollisch: Im Jahr 2005 habe ich den serbisch-orthodoxen Patriarchen besucht und ihm gesagt: Die Zukunft liegt in der Europäischen Union. Für Serbien gibt es keine Alternative. Die jetzige Regierung ist klar auf dem Weg in die EU. Denn sonst müsste Russland denen viele Milliarden jedes Jahr geben – und Russland hat an diesem kleinen Eckchen nicht mehr so ein starkes Interesse. Die Jugend hat keine Perspektive, das ist mir bei meinen Besuchen klar geworden. Von Landwirtschaft allein können heute nicht mehr viele leben.

Diese krude Logik ist bestechend: Russland hat kein Interesse, Serbien Milliarden zu geben – doch die EU soll die Milliarden einem Volk geben, dessen Jugend keine Perspektive mehr hat und in dem viele nicht mehr von der Landwirtschaft leben können?

Zollitschs Aussagen belegen, dass in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft eine unreflektierte Euro-Ideologie um sich gegriffen hat wie der hartnäckige Virus einer asiatischen Sommergrippe. Hier kommen eine blinde EU-Hörigkeit und ein unerklärliches Misstrauen der eigenen Nationalität zum Vorschein. Es ist erstaunlich, dass für den Chef der Katholischen Bischofskonferenz Deutschlands die Verfassung des Grundgesetzes offenbar ein Anachronismus und das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein eingefrorenes Posthorn aus dem 19. Jahrhundert ist.

Kirchenführer sollen keine Partei-Empfehlungen abgeben. Das gebietet der Respekt vor der Demokratie. Kirchenführer sollten sich auch nicht zu wirtschaftspolitischen Themen äußern, mit denen sie sich nachweislich nicht befasst haben. Kirchenführer sollen den verfassungsmäßigen Nationalstaat und seine Organe achten, bis der Nationalstaat per Volksabstimmung abgeschafft wurde.

Kirchenführer dürfen sich selbstverständlich in politische Debatten einmischen.

Sie müssen es jedoch mit einem Minimum an Sachverstand tun. Der Theologe Karl Rahner hat im Zuge der Glaubensvermittlung in der modernen Gesellschaft von der „intellektuellen Redlichkeit“ gesprochen, die in jeder Diskussion Pflicht sei.

Der große liberale Theologe Karl Rahner hat einen legendären „Grundkurs des Glaubens“ geschrieben.

Zollitsch und Kollegen sollte man schnellstens einen „Grundkurs der Demokratie“ zuschicken.

Damit sie verstehen, bevor sie predigen.

Kommentare

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  1. jorge sagt:

    Katholische Bischöfe, was fällt einem dazu ein???
    Christus wollen sie nicht predigen,
    da könnten sie sich ja blamieren,
    Offensichtlich predigen sie lieber die Meinung
    des verm. „gesellschaftlichen Konsens“,

  2. Alfons sagt:

    Im Mittelalter gab es Leibeigenschaft und Knute der Kath. Kirche; heute nennt es sich „EU“ und „Euro“ und ist faktisch das Gleiche, nur dass die Herren gewechselt haben.

    Da ist es doch klar, dass ein Prediger zumindest von Teilhabe an der Macht der neuen Herrenmenschen träumt, denn anders sind seine Äußerungen nicht zu verstehen (oder ist es bereits die Demenz, die aus ihm spricht ?)
    Wäre der Mann jünger, könnte er auch als Polit-Kommissar in der EUdSSR Karriere gemacht haben; die haben zwar andere Götter aber den selben Anspruch auf die alleinige Seeligkeit ihrer verquasten Ideologie.

    • Kasperköpfchen sagt:

      Der lebt auch so, wie die Made im Speck, auf Kosten rechtschaffender Leute! So sind ´se die Kindergrabbler. In der Kirche bin ich längst nicht mehr und aus dieser unsäglichen EU kommen wir auch noch raus!

  3. Axelino sagt:

    Die katholische Kirche hat es nötig, sich in den Wahlkampf einzumischen! Sonst nichts zu tun? Alle Skandale unter den Teppich gekehrt und nach vorne geblickt, richtig?
    Offensichtlich konnte der Erzbischof der Versuchung nicht widerstehen, der „herrschenden“ Meinung beizupflichten und die Alternativlosigkeit der deutschen Europapolitik zu betonen. Fehlt eigentlich nur noch die Frage:
    “ Wollt Ihr den Euro oder den Dritten Weltkrieg?“
    Europa zerfällt wieder und die Kriegsgefahr kriecht wieder aus den Schützengräben.
    Der Mann hat nichts begriffen. Aber wirklich nichts.
    Diese AfD sind keine Nostalgiker, sondern verantwortungsbewußte Ökonomen, die
    es nicht länger mit ansehen können, wie Deutschland und ganz Europa an die Wand
    gefahren wird. Dafür gebührt ihnen Respekt und Dank.

  4. Heide Wachholder sagt:

    Wirtschaftlich starkes Europa

    Ja, wir brauchen ein wirtschaftlich starkes Europa als Gegengewicht zu den anderen Staaten. Aber dazu braucht man nicht den Euro. Im Gegenteil, der Euro verhindert die wirtschaftliche Stärke, weil z. Bsp. die südlichen Länder keine Währung zum Abwerten besitzen. Wie lebte es sich denn vor der Einführung des Euros?

    Herr Zollitsch sollte sich besser um das Seelenheil seiner Kirchenmitglieder kümmern, damit sie gut durch diese schwierige Zeit und die schwereren Zeiten, die noch bevorstehen, kommen. Die Einstellung des Bischoffs bedeutet ja, daß er die Vertragsbrüche und die undemokratische Vorgehensweise der Regierung für richtig hält. Scheinbar möchte er, daß alle Völker Europas gleich sind und damit künftig gleich arm sind. Europa ist ein zur Bedeutungslosigkeit verdammter Kontinent und die katholische Kirche hilft mit!

  5. hugin sagt:

    ZOLLITSCH FREIMAURER ODER BILDERBERGER ?
    Der Erzbischof soll nicht nur die Bibel, sondern auch den Koran lesen ! Sure 2 (Die Kuh)
    „Die Weiber sind euer Acker, geht auf euren Acker wann und wie ihr wollt“.
    Auch der Turmbau zu Babel mit den vielen Sprachen hat nicht funktioniert.
    Über die Ermordung von Christen in islamischen Ländern sieht die Kirche großzügig hinweg. Gegen den Willen der will der Bischof die Bevölkerung zwangsbeglücken.
    Diese Aktion wird der Kirche schaden.

  6. Alexander Klar sagt:

    Zitat Wikipedia: „Weltweit gab es 2011 1,214[1] Milliarden römisch-katholische Christen in 2.945 Diözesen.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misch-katholische_Kirche#Verbreitung

    Wann haben die Mauern des Vatikan dem Druck der globalen Geld- bzw. Machtelite nachgegeben? … Ich brauche keine Kirche, um Gott nahe zu sein.

    Zitat Freeman, ASR: „(…) Jesus führte eine revolutionäre neue Idee ein, nämlich, jeder kann mit Gott direkt reden, dazu braucht es keinen Übersetzer. Im Evangelium von Lukas kommt das klar zum Ausdruck, wo das „Vater unser“ eingeführt wurde, nach dem die Anhänger Jesus fragten, wie sie beten sollten. (…) Ausserdem, im Thomasevangelium spricht Jesus darüber, Gott wäre nicht im Himmel, nicht in einem Haus aus Holz und Stein, sondern er wäre überall, zugänglich für alle Menschen zu jeder Zeit. Das geht aus Sicht der Kirchenvertreter natürlich nicht. Es braucht einen Übersetzer, nämlich sie, er thront im Himmel und die Gläubigen müssen in ihr Haus kommen um zu beten.“ Quelle: Alles Schall und Rauch: Wir sind nicht mehr Papst http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2013/02/wir-sind-nicht-mehr-papst.html#ixzz2bjuamUeW

    Mit den besten Wünschen!

    • Apokalypse sagt:

      So ist es und woh bleibe es so. Gott wohnt in uns. Deshalb sind Staats-Kirchen überflüssig.
      Manchmal denke ich, daß Kleider Leute machen.
      Seltsam.

  7. SiEiAi sagt:

    Dann soll bitte die reiche Kirche mit Ihrem riesigen Vermögen die Griechen finanzieren und nicht der normale Steuerzahler.

    Diese scheinheiligen Brüder leben wie die Made im Speck von den kleinen Leuten.

    Wasser predigen und Wein saufen, so geht es nicht.

  8. dv sagt:

    Das kann nicht verwundern, denn das Christentum hat als jüd. Konfession einen herkunfts- und identitätsfreien globalen Menschenbrei, über dem die sogenannten „Auserwählten“ stehen sollen, zum Ziel.

  9. Römischer Katholik! sagt:

    Der Euro „zwinge die Europäer, weiter zusammen zu kommen.“

    Der Herr Erzbischof ist also Anhänger eines Zwangssystems!

    Der Herr Erzbischof hat nicht verstanden, dass der fehlende Wechselkursmechanismus im Süden die Völker in die Arbeitslosigkeit treibt.

    Ihm sind die 30% Arbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland egal. Hauptsache, der Zwang bleibt bestehen. Damit wir alle zusammen kommen.

    Der Euro ist der Spaltpilz unter uns Europäern! Er zerstört Europa!

    Oder möchte der Herr Erzbischof von seinem Gehalt zwei griechische Familien mitfinanzieren??

  10. Ich sagt:

    Dieser Satz: „Sie müssen es jedoch mit einem Minimum an Sachverstand tun“ ist eine anmaßende und abwertende Aussage, weil sie suggeriert, dass der Gegenüber nicht einmal ein Minimum an Sachverstand habe.

    Es gibt nur einen Gott, und nur eine Menschheit. Warum sollten die Menschen sich in Länder zersplittern, statt ALLE brüderlich miteinander zu leben, zumindest danach zu streben?

    Die Auflösung aller Grenzen und damit der Nationalstaaten ist ein Schritt in diese Richtung, entspricht also klar dem, was Christus mit dem Ideal der UNIVERSELLEN Brüderlichkeit liebender Menschen empfiehlt.

    • Schleswig sagt:

      Oh mein Gott. Was für eine Naivität.

    • jackcot sagt:

      mannomann, da platzt einem der Kopf …

    • Kowalski sagt:

      Die Mutter der Dummheit ist ständig schwanger

    • Löwin sagt:

      Da kann man nur feststellen, dass der Chef mit seinen Ansichten gar nicht so schlecht ist. Das Bodenpersonal, zu dem Herr Zollitsch gehört, ist allerdings Sch…., denn sie propagieren Ansichten aus dem Mittelalter, als die Kirche und der Adel eine Mischpoke war und die Menschen ausgebeutet haben. Am liebsten wäre es den Pfaffen und den heutigen Politnieten, dass die Menschen bar jeder Bildung wären. Wir sind jedoch auf dem besten Weg dahin. Deutschland ist, nach dem Grundgesetz, ein säkularer Staat. Zollitsch sollte die Zuwendungen der Bürger, die seinen luxuriösen Lebensstil finanzieren, genießen, so lange er noch kann.