Schweiz: Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie angegeben

Die Arbeitslosenquote in der Schweiz ist höher, als vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) angegeben.

Laut Seco beträgt sie 2,4 Prozent. Nach Berechnungen der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) liegt die Quote tatsächlich aber bei fast fünf Prozent. Das sei eine Quote, die im historischen Vergleich sehr hoch liege, so KOF-Experte Michael Siegenthaler.

Für ihre Analyse hat die KOF die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Maßstab genommen. Diese sind international anerkannt, gleichwohl die zuständigen Behörden und politischen Institutionen vieler anderer Länder sie auch nicht anwenden, sondern stattdessen – genau wie das Seco – eigene Kriterien anlegen, die es ihnen erlauben, die Statistik zu schönen.

Auf seine Zahlen kommt das Seco, indem es alle Arbeitslosen zählt, die in einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet sind. Jedoch lassen sich nicht alle Arbeitssuchenden dort registrieren. Hinzu kommt, dass seit der Reform der Arbeitslosenversicherung im März 2011 die RAVs für die Angehörigen bestimmter Gruppen nur noch bedingt zuständig sind. So betreuen sie Studienabgänger erst dann, wenn diese nach ihrem Examen eine längere Zeit ohne Anstellung sind.

Langzeitarbeitslosen wurde die Dauer des Bezugs von Arbeitslosengeld gekürzt, wodurch viele von ihnen von den RAVs auch nicht mehr betreut werden. Und schließlich wurde bei kinderlosen Arbeitslosen der maximale Anspruch auf Arbeitslosengeld gekürzt, wodurch viele von ihnen ebenfalls aus der Betreuung durch die RAVs herausgefallen sind.

Immerhin stehen die Chancen, dass die Arbeitslosenzahlen sinken, laut Siegenthaler tendenziell gut. Im ersten Quartal haben die Beschäftigungszahlen stark zugenommen, so der promovierte Volkswirt: „Das lässt auf einen tatsächlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten hoffen.“

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