Schwere Zeiten für maritimen Mittelstand

Mittelständische Schiffsbaubranche in Deutschland steht vor großen Problemen / Konkurrenz aus Asien belastet die Branche

Die mittelständisch geprägte maritime Wirtschaft geht unruhigen Zeiten entgegen. Das gilt für die gesamte Branche: Den Schiffbau, die Reedereien, Ausrüster, Zulieferer und alle anderen Wirtschaftszweige, die ihr Geld mit der Seefahrt verdienen.

Besonders dramatisch stellt sich die Lage im Schiffbau dar. So betrug die Bruttotragfähigkeit aller in Deutschland gefertigten Schiffe im Jahr 2011 noch 167 Millionen Tonnen. 2017 waren es gerade noch 98 Millionen Tonnen. Das bedeutet einen jährlichen Rückgang von circa zwölf Millionen Tonnen im Jahr, also eine Million Tonnen im Monat. Containerschiffe sind in Deutschland kaum noch kostengünstig zu produzieren, die Konkurrenz der – zum großen Teil staatlich geförderten – chinesischen und südkoreanischen Großwerften ist übermächtig. Die Deutschen werden sich deshalb noch mehr auf den Spezialschiffbau spezialisieren müssen.

Gute Position für Yachten und Kreuzfahrtschiffe

Im Yachtbau sind die Werften aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen weiterhin führend, genauso wie die Werften aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern im Bau von Kreuzfahrtschiffen. Auch beim Bau von Forschungsschiffen sowie bei Schiffen für besondere Aufgaben – zum Beispiel Seenotrettungskreuzer – gehört Deutschland nach wie vor zur absoluten Weltspitze. Dass die Bundesrepublik die Marke von zwei Prozent aller weltweit gebauten Schiffe wieder erreicht, ist aller allerdings unwahrscheinlich.

Bei der Frachtschifffahrt gehen die Umsätze zwar seit einiger Zeit wieder nach oben, allerdings nur auf geringem Niveau. Dazu kommt, dass die 2020 in Kraft tretenden neuen Schadstoffvorgaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) für die Reedereien eine große Belastung darstellen. Unter Umständen wird es dazu kommen, dass Frachtschiffe in Zukunft primär mit verflüssigtem Erdgas angetrieben werden. Eine reibungslose Versorgung gibt es derzeit allerdings noch nicht. Ob sie innerhalb weniger Jahre aufgebaut werden kann, ist fraglich.

 

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