Autobauer verlangen bei Auftragsvergabe „Eintrittsgelder“

Mittelständische Zulieferer werden von Autobauern bei der Auftragsvergabe stark unter Druck gesetzt / Rabatte im Voraus

Die mittelständischen Zulieferer werden von den Auto-Bauern bei der Auftragsvergabe stark unter Druck gesetzt. Besonders die Praxis, sogenannte „Eintrittsgelder“ zu verlangen, ist gang und gäbe. Eintrittsgelder sind Leistungen, zu denen sich die Zulieferer verpflichten, um überhaupt einen Auftrag zu bekommen.

Meist handelt es sich um die Gewährung von Rabatten. Im Sinne eines fairen Wettbewerbs sollten über diese erst verhandelt werden, wenn die Produktion bereits angelaufen ist, wenn sich also beispielsweise herausstellt, dass die Herstellungskosten geringer ausfallen, als erwartet, oder wenn sich das Bestellvolumen unverhofft erhöht.

Diktat der Automobil-Riesen

Die Praxis sieht jedoch anders aus. Die Einkäufer der Konzerne verlangen die Rabatte schon im Voraus, häufig verklausuliert, manchmal aber auch ganz offen. Sie wissen: Wir sitzen am längeren Hebel. Kaum ein Zulieferer wird sich trauen, sich zur Wehr zu setzen, dafür ist die Abhängigkeit zu groß. Auf Augenhöhe mit den OEMs verhandeln können lediglich die ganz Großen der Zuliefererbranche, wie Bosch, Continental und ZK Friedrichshafen. Mahle, Schaeffler und Thyssen Krupp Automotive besitzen auch noch eine gewisse Marktmacht, der Rest muss sich dem Diktat der Automobil-Riesen fügen.

Für die geht es um sehr viel Geld: Im Schnitt setzen sie Rabatte von 2,9 Prozent durch. Das klingt nicht nach viel, summiert sich – angesichts der riesigen Umsätze der Konzerne – jedoch auf mehrere Milliarden Euro im Jahr. Geld, das den mittelständischen Zulieferer-Betrieben fehlt. Besonders hart trifft es diejenigen, die austauschbare Teile herstellen: Mit der Drohung, den Auftrag an einen Konkurrenten zu geben, holen die Einkäufer der Auto-Bauer nicht selten Rabatte bis zu zehn
Prozent heraus. Gefürchtet bei den Zulieferern sind auch die jährlichen „Preisanpassungs-Gespräche“. Dabei geht es in der Regel nur um eins: Die Preise weiter zu drücken.

 

Kommentare

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  1. Klaro Fux sagt:

    Zulieferer zahlen so versteckt auch für Dieselgate
    Der normale Verbraucher bekommt von solchen Praktiken leider gar nichts mit.
    Vielleicht sollten die Zulieferer hier mal ansetzen, statt immer nur zu bezahlen und zu schweigen.
    Ich kann mir durchaus vorstellen, das dies beim Verbraucher etwas bewirken könnte, was die Autokonzerne umdenken lässt.