Mehr Schweizer Lehrlinge müssen Nachhilfe in Anspruch nehmen

Schweizer Lehrlinge haben vor allem Probleme in Mathematik / Erwartungen an die jungen Leute steigen

Die Zahl der Lehrlinge, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, wächst beständig. Seit 2015 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Das am stärksten nachgefragte Fach ist dabei Mathematik (39 Prozent aller Nachhilfestunden). Häufig nachgefragt werden auch technische Fächer sowie Rechnungswesen.

Für diese Entwicklung gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen nehmen auch durchschnittliche oder sogar gute Schüler Nachhilfestunden. Vielen reicht ein durchschnittliches Zeugnis nicht mehr; sie befürchten, dass sie nach Abschluss ihrer Lehre schlechtere Chancen haben, von ihrem Lehrbetrieb übernommen zu werden beziehungsweise den Wechsel zu einem anderen Unternehmen zu schaffen.

Der zweite Grund ist, dass die Erwartungen an die Lehrlinge massiv steigen. Dies ist vor allem beim Unterricht für die Handwerks- und Facharbeiter-Berufe der Fall. Früher wurden dort allgemeinbildende Fächer – die für das Berufsleben vergleichsweise wenig Bedeutung hatten – sowie die Grundlagen für die spätere Tätigkeit gelehrt. Heute müssen sich die Schüler mit teilweise sehr komplexen Zusammenhängen befassen. Wer keine gymnasiale Vorbildung mitbringt, bekommt häufig Probleme.

Anforderungen auf dem Prüfstand

Ob die zweijährige EBA-Lehre wirklich eine Lösung darstellt, ist fraglich. Sie ist so konzipiert, dass sie eigentlich nur für lernschwache Schüler in Betracht kommt. Doch Nachhilfe wird auch von Schülern in Anspruch genommen, die – objektiv gesehen – nicht zu denen gehören, die Förderung benötigen. Daher ist zu überlegen, ob nicht die Anforderungen in der Berufsschule teilweise heruntergeschraubt werden sollten. Vieles, was dort heute im Lehrplan steht, ist in hohem Grad theoretisch und hat relativ wenig Bezug zur späteren Berufstätigkeit. Fraglich ist auch, ob es wirklich sinnvoll ist, Menschen, die das Potential haben, hervorragende Praktiker zu werden, schon zu Beginn ihres Berufslebens durch überzogene Anforderungen an ihre schulische Leistungsfähigkeit den Sprung in eben dieses Berufsleben zu verbauen.

 

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