Mittelstand erkennt Potential von Kunden-Daten nicht

Viele Mittelständler haben die Vorteile der Auswertung von Kundendaten nicht erkannt.

Der deutsche Mittelstand hat die Chancen von „Big Data“ noch nicht erkannt. Das ist das Ergebnis der repräsentativen Studie „Big Data, Smart Data – Lost Data?“, die das Marktforschungsinstitut Kantar TNS im Auftrag der Commerzbank erstellt hat. Die Führungskräfte-Befragung von 2000 Unternehmen im ganzen Bundesgebiet ergab, dass zwar 81 Prozent der Mittelständler Daten erfasst. Bei der Mehrheit der Firmen sind das jedoch Standarddaten, beispielsweise betriebswirtschaftliche Kennzahlen und Lagerbestände. Was viel seltener erfasst werden, sind Daten, die sich auf die Kunden oder den Markt beziehungsweise das Marktumfeld beziehen.

Dabei liegt das größte Potential von Big Data genau in diesen Bereichen. Eine systematische Daten-Auswertung („Smart Data“) verringert zum einen das Risiko, Dienstleistungen oder Produkte auf den Markt bringen, für die es keine Nachfrage gibt. Zum anderen hilft sie Mittelständlern dabei, genau diejenigen Dienstleistungen und Produkte einzuführen, für die die Zeit reif ist. Allerdings hat gerade mal jedes vierte mittelständische Unternehmen solche neuen Geschäftsmodelle auf der Basis von systematisch gesammelten Daten entwickelt. Damit hinkt der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich eindeutig hinterher.  

Bei über 40 Prozent der Unternehmen wird Big Data auch deshalb nicht umgesetzt, weil generell die Bereitschaft fehlt, Unbekanntes auszuprobieren. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass derzeit Hochkonjunktur herrscht und dementsprechend keine Notwendigkeit gesehen wird, sich mit Neuem zu befassen. Ein weiteres Problem ist, dass die Auswertung von Big Data zu oft noch auf der Geschäftsleitungsebene geschieht. Die Unternehmensspitze ist mit dieser Aufgabe jedoch in aller Regel überfordert, zum einen, weil ihr die Zeit zu einer systematischen Analyse fehlt, zum anderen, weil sie nicht über die fachlichen Voraussetzungen verfügt. In weniger als einem Drittel der Unternehmen übernehmen Fachleute die Auswertung der Daten, in lediglich jedem zehnten sind es externe Experten.

Dem flächendeckenden Einsatz von Big Data steht noch ein weiteres Hindernis gegenüber: Die Angst vieler Unternehmen vor der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Nach wie vor existieren im Hinblick auf den rechtmäßigen Umgang mit Daten viele ungeklärte Fragen und rechtliche Grauzonen. Zumal die DSGVO die Beweislast umgekehrt hat. Vor ihrer Einführung mussten die Kontrollbehörden beweisen, dass ein Unternehmen gegen den Datenschutz verstoßen hatte, jetzt ist es umgekehrt: Ein Unternehmen muss auf Verlangen der Kontrollinstanz den Beweis antreten, dass kein Verstoß vorliegt, wobei die Behörde jederzeit verdachtsunabhängige Kontrollen vornehmen kann.

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