Chemie 4.0: Mittelstand hinkt hinterher

Der Mittelstand im Chemie-Sektor hinkt bei der Digitalisierung anderen Branchen hinterher.

Im Vergleich zu anderen Branchen hinterher. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die vom Verband der chemischen Industrie in Auftrag gegeben wurde.

Diese Entwicklung könnte schwerwiegende Folgen haben, da etwa 90 Prozent der deutschen Chemieunternehmen unter 500 Angestellte beschäftigen und dem Mittelstand zugerechnet werden müssen. 70 Prozent der Unternehmen (insgesamt 124) gaben an, über keine Digitalisierungsstrategie zu verfügen. Dieser Befund ist bemerkenswert, weil die Mehrheit der Unternehmenschefs starke Veränderungen durch die Digitalisierung erwartet und immerhin die Hälfte umfangreiche Investitionen in dem Bereich plant.

Der hohe Automatisierungsgrad der Chemiebranche verstellt leicht den Blick, dass Industrie 4.0 mehr ist als automatisierte Anlagensteuerung und digitale Feldgeräte, berichtet das Magazin Process. „Es geht um Vernetzung und die Nutzung von Massendaten. Damit will die Branche nicht nur effizienter produzieren, beispielsweise durch vorausschauende Wartung mittels Sensoren. Sondern sie will auch innovativer werden, etwa durch virtuelle Realität und Simulationen für Forschung und Produktentwicklung.“

Einige chemische Mittelständler gehen erfolgreich voran, beispielsweise in der Präzisionslandwirtschaft: Bisher lieferte die Chemie in erster Linie Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Nun geht es um Anwendungen, die Krankheiten und Schädlinge auf dem Feld identifizieren und die optimale Dosierung für die Behandlung der Kulturen errechnen können. Weitere Apps – etwa zur Analyse der Bodenbeschaffenheit und der Wettervorhersage – sollen das datenbasierte Modell ergänzen, mit dem der Landwirt seinen Betrieb einmal steuern kann.

Offenbar bleibt aber noch viel zu tun. Als material- und stoffbasierte Branche bleibt für die Chemie die Frage, wie sie aus dem Rohstoff Massendaten neue Geschäftsmodelle entwickeln kann. Digitale Geschäftsmodelle gehören derzeit noch nicht zum Kerngeschäft und verlangen aus Sicht von Beobachtern eine neue Unternehmenskultur und hohe Flexibilität.

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