Börsengang für Mittelstand kein Thema

Bei deutschen Mittelständlern hält sich das Interesse an Börsengängen stark in Grenzen.

Dies zeigt sich auch in der Verteilung der Unternehmenswerte, wie aus einer Studie der Weltbank hervorgeht. Während in vielen Ländern der Gesamtwert der börsennotierten Unternehmen praktisch deckungsgleich ist mit dem Gesamtwert aller Unternehmen des Landes, beträgt dieser in Deutschland nur rund 60 Prozent.

Der Börsengang als Einnahmequelle von Kapital liegt im deutschen Mittelstand weit hinter anderen Finanzierungsformen – insbesondere Geld von Beteiligungsgesellschaften und Kredite der Hausbank sind für kleine und mittelgroße Unternehmen hierzulande wichtig.

Insbesondere im von der Europäischen Zentralbank herbeigeführten Niedrigzinsumfeld bietet Private Equity eine Alternative, welche nicht so teuer und reglementiert ist wie Börsengänge, weshalb in diesem Bereich deutliche Zuwächse zu verzeichnen sind.

Hauptgründe für die Abstinenz von der Börse sind die mit einem Börsengang verbundenen Regularien, welche offenbar hohe Kosten für Unternehmer bedeuten.

Ein weiterer Grund ist der Druck der Aktionäre, welche auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung aus sind und den langfristigen Erfolg häufig nicht berücksichtigen, weil sie mit den Aktien spekulieren wollen.

Insgesamt betrachtet hat die Unternehmensfinanzierung mithilfe eines Börsenganges in Deutschland in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung eingebüßt. So gab es noch allein im Jahr 1999 175 Börsengänge, in den 17 Jahren zwischen 2001 und 2017 jedoch nur 162. „Die Börse hat als eine Säule der Unternehmensfinanzierung in den vergangenen Jahren an Bedeutung eingebüßt“, zitiert die Wirtschaftswoche Norbert Kuhn, Ökonom am Deutschen Aktieninstitut. „Sie droht ihre Rolle als Wachstums- und Beschäftigungsmotor zu verlieren.“ Aus einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft geht hervor, dass seit Mitte der Neunzigerjahre mehr Unternehmen die Börse verlassen als neue hinzugekommen sind.

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