Schweiz verliert für deutsche Arbeitnehmer an Attraktivität

Die Schweiz wird für Deutsche als Wohn- und Arbeitsort in steigendem Maß unattraktiver.

Schon seit Jahren verzeichnen die Behörden sinkende Zuwanderungszahlen aus der Bundesrepublik. Zwar nahm die Zahl der in der Schweiz lebenden deutschen Staatsbürger 2017 um rund 5000 Personen zu, das ist jedoch mehr als neunmal weniger als im Rekordjahr 2008, als circa 46.000 Bundesbürger in die Schweiz zogen.

Grund für den Rückgang ist nach Meinung von Beobachtern die zunehmend gute wirtschaftliche Lage in Deutschland, das seit einiger Zeit ein solides Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hat. 2015 betrug es 1,7 Prozent, 2016 1,9 Prozent und 2017 2,2 Prozent. Zum Vergleich: Das Wachstum in der Schweiz betrug 2015 0,8 Prozent, 2016 1,3 Prozent und 2017 1,0 Prozent. Das ist das schwächste Wachstum aller Länder des Euro-Raums.
Für die Schweizer Wirtschaft könnte sich der mangelnde Zuzug der Deutschen zum Problem entwickeln, sagt Simon Wey, der beim Schweizer Arbeitgeberverband für den Bereich Arbeitsökonomie zuständig ist. Besonders betroffen sind das Hotel- und Gastronomiegewerbe sowie das Gesundheitswesen. Zu den nackten Zahlen kommt die Tatsache, dass die deutschen Arbeitnehmer in aller Regel gut ausgebildet sind (die eine Hälfte verfügt über einen Hochschulabschluss, die andere fast durchgängig über eine Lehre) und deshalb durch Zuzügler aus anderen europäischen Ländern nur schwer zu ersetzen sind.

Schweizer Konjunkturforscher sagen für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,0 bis 2,4 Prozent voraus – dass dies die Zahl der Zuzüge wieder erhöht, darf allerdings bezweifelt werden. Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung, die die Bundesrepublik in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte, verfügt ein deutscher Arbeitnehmer im Durchschnitt nur über 75 Prozent der Kaufkraft eines Schweizer Beschäftigten. Und dennoch bleibt der Zustrom der Deutschen aus. Da ist es unwahrscheinlich, dass ein paar zusätzliche Prozent an Kaufkraft ihn wieder ansteigen lassen.

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