90 Prozent der Lehrlinge lernen im Mittelstand

Mittelstand bildet aus / Vorteile des dualen Systems

Erstmals seit sechs Jahren ist 2017 die Anzahl der Azubis gestiegen. 515.700 neue betriebliche Ausbildungsverträge wurden geschlossen, und damit 5.700 (1,1 Prozent) mehr als 2016, berichtet die dpa. Bundesweit gibt es derzeit etwa 1,32 Millionen Auszubildende, etwa 90 Prozent von ihnen lernen ihren Beruf im Mittelstand. Damit findet der ganz überwiegende Teil der dualen Ausbildung in den 3,71 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen statt.

Auch wenn der Mittelstand in seiner Gesamtheit den Großteil der Berufsausbildung schultert, bildet bei weitem nicht jedes mittelständische Unternehmen in Deutschland aus. Von den 3,71 Millionen Mittelständlern waren zuletzt 470.000 Ausbildungsunternehmen, das entspricht 13 Prozent.

Grundsätzlich gilt: Je kleiner ein Unternehmen ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Lehrlinge in der Belegschaft hat. Unter den Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten sind nur 6 Prozent ausbildungsaktiv, bei den Mittelständern mit mehr als 50 Mitarbeitern sind es hingegen 73 Prozent.

Konzentration von Frauen in bestimmten Berufen

Die betriebliche Ausbildung im Mittelstand wird hauptsächlich von jungen Männern nachgefragt: Quer durch alle Branchen liegt der Frauenanteil nur bei 38 Prozent. Weibliche Azubis sind im Bausektor und Verarbeitenden Gewerbe selten (14 bzw. 27 Prozent Frauenanteil), im Dienstleistungsbereich hingegen ist ihr Anteil mit 50 Prozent weit überdurchschnittlich. Denn Frauen ziehen nach wie vor Dienstleistungs- und kaufmännische Berufe den technischen vor. Jeder vierte weibliche Azubi lernt den Beruf einer (Zahn-)Medizinischen Fachangestellten oder Kauffrau für Büromanagement. Frauen absolvieren ihre Ausbildung dabei auffallend häufig in Kleinstunternehmen. Der Frauenanteil beträgt hier 47 Prozent, ab fünf Beschäftigten liegt er im Gesamtdurchschnitt. Ein Grund ist, dass der Dienstleistungssektor nicht nur insgesamt weiblich geprägt ist, sondern auch von zahlreichen sehr kleinen Unternehmen.

Die Konzentration der jungen Frauen in bestimmten Berufen, Branchen und Größenklassen führt zu Gehaltsnachteilen. Weibliche Azubis erhielten 2017 durchschnittlich 860 Euro Tarifvergütung im Monat und damit 25 EUR (3 Prozent) weniger als Männer. Der tatsächliche Gehaltsnachteil dürfte noch etwas größer sein. Denn nicht alle Azubis werden nach Tarif bezahlt. Das gilt besonders für die Kleinstunternehmen, und somit verstärkt für Frauen.

 

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