PwC: Mittelstand offen für Private Equity

Bankkredite wegen Regulierung wenig attraktiv / Neue Trends

Die Zeiten, in denen mittelständische Unternehmen bei der Finanzierung von großen Investitionen fast ausschließlich auf einen Kredit ihrer Hausbank setzten, sind vorbei. Laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) schließt heutzutage ein Drittel aller Mittelständler die Aufnahme eines solchen Kredites aus. Das hat seine Gründe in zwei Entwicklungen.   

Die Finanzierung über Banken ist für viele Mittelständler aus unterschiedlichen Gründen mit Nachteilen behaftet. Banken sind wegen der strengen Regulierung im Zuge des Basel III-Regelwerks gezwungen, überschießende Sicherheiten zu fordern. Über diese Sicherheiten verfügen viele Unternehmen – vor allem solche mit wenigen Mitarbeitern und dementsprechend geringem Umsatz – jedoch nicht.

Außerdem müssen die Banken wegen der staatlichen Geldwäsche-Vorschriften darauf bestehen, dass der Kreditnehmer seine Geschäftsdaten offenlegt. Davor scheuen sich jedoch viele Unternehmen aus Sorge, die Konkurrenz könnte Zugang zu diesen Daten erhalten.

Aus diesen Gründen greift eine steigende Zahl von Mittelständlern auf das Private Equity-Modell zurück. Wie eine Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) aus dem Jahr 2017 ergab, können sich mittlerweile 83 Prozent der Mittelständler vorstellen, mit einer Beteiligungsgesellschaft zusammenzuarbeiten. Bei der gleichen Umfrage im Jahr 2011 waren es lediglich 18 Prozent.

Die mögliche Sorge von Inhabern von mittelständischen Unternehmen bei einer Zusammenarbeit mit einer Private Equity-Gesellschaft ihre Führungsrolle im Unternehmen zu verlieren, hält Jürgen von Wendorff vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften für unbegründet. Er sagte den Deutschen Mittelstands Nachrichten: „Diese Furcht ist unbegründet. Die Einmischung in das operative Geschäft ist nicht Teil des Geschäftsmodells von Private Equity-Gesellschaften.“

Eine für den Mittelstand neue Erkenntnis: Private Equity-Investoren haben sich in den vergangenen Jahren als langfristige Investoren erwiesen. In der Regel halte eine Beteiligungsgesellschaft laut von Wendorff erworbene Anteile fünf bis sieben Jahre, unter Umständen auch weitaus länger. Von Wendorff rät Firmeninhabern, die eine Zusammenarbeit mit einer Private Equity-Gesellschaft erwägen, den potentiellen Geschäftspartner genau unter die Lupe zu nehmen – der tue das schließlich auch: „Genau wie die Beteiligungsgesellschaft vor Vertragsabschluss möglichst viele Informationen über den Mittelständler einholt, sollte sich der Mittelständler genauestens über den Private Equity-Anbieter informieren. Dazu gehört unter anderem, zu erfragen, was für Geschäfte er bisher gemacht hat, wie lange er die von ihm erstandenen Anteile von anderen Firmen gehalten hat, was für Ausbildungen seine Mitarbeiter durchlaufen haben und wie hoch die Mitarbeiter-Fluktuation in seiner Firma ist.“

PwC geht davon aus, dass Mittelständler in Zukunft zunehmend mehr mit Private Equity-Gesellschaften zusammenarbeiten werden. Schließlich wachse die Zahl der Firmeninhaber, die den Beteiligungsgesellschaften zubilligten, „einen nachhaltigen Unternehmenserfolg zum Ziel zu haben“.

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