Porsche zeigt, was deutsche Ingenieure können

Elektroauto „Taycan“ vor Serienreife / Neue Konkurrenz für Tesla

Porsche will ab dem nächsten Jahr mit seinem Elektroauto „Taycan“ in Serie gehen. Es handelt sich dabei um die Endversion der Konzeptstudie „Mission E“. Der neue Stromer ist ein Viertürer mit über 600 PS, der in weniger als 3,5 Sekunden von null auf 100 kommt, mit Breitreifen ausgerüstet ist (vorne 21 Zoll, hinten 22 Zoll) und über eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 250 Stundenkilometern verfügt. Der „Taycan“ (zu Deutsch: lebhaftes junges Pferd) ist Porsches zweitsportlichstes Modell nach dem GT2 RS. Seine Reichweite soll mehr als 500 Kilometer betragen, die Ladezeit weniger als 20 Minuten.

Derzeit wird im Porsche-Stammwerk in Zuffenhausen alles auf die Produktion des neuen Elektroautos vorbereitet. „Wir stehen vor einer großen logistischen Herausforderung, weil wir einiges umräumen müssen, um genug Platz zu haben“, so Porsche-Sprecher Mayk Wienkötter im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Die Fertigung des „Taycan“ wird nämlich in dem Werk stattfinden, in dem auch der 911er, der Boxster und der Cayman gebaut werden. „Es ist in etwa so, als ob man sich in einem Kleiderschrank umziehen würde“, so Porsche-CEO Oliver Blume.

Die Produktion hätte auch in Osteuropa stattfinden können. „Das wäre günstiger, einfacher und schneller gewesen“, so Wienkötter. Aber man habe sich für Zuffenhausen entschieden, zum einen, weil man ein Bekenntnis zum Standort Deutschland habe ablegen wollen, zum anderen, weil der „Taycan“ für Porsches Aufbruch in die Zukunftstechnologie Elektromobilität stehe: „Und diese Symbolhaftigkeit wird natürlich deutlicher, wenn wir an unserem Stammsitz produzieren.“ Darüber hinaus sei es von großer Bedeutung, dass Porsches erster reiner Stromer von makelloser Qualität sei, und das lasse sich in Deutschland am leichtesten gewährleisten. 1.200 zusätzliche Mitarbeiter sollen für die Fertigung des „Taycans“ noch eingestellt werden, darunter Ingenieure und Techniker, aber vor allem Arbeiter fürs Band. Derzeit beschäftigt Porsche 30.500 Menschen, ein Plus von 130 Prozent gegenüber dem Jahr 2010.

Mit der Entwicklung des „Taycans“ wurde 2014 begonnen. Besonders stolz sei man auf seine 800-Volt-Architektur, wie Wienkötter betont: „Wir sind weltweit der einzige Autobauer, der über eine solche Technologie verfügt.“ Andere Hersteller statten ihre Autos allerhöchstens mit einem 400-Volt-System aus. Porsches technische Neuerung sorgt unter anderem dafür, dass der Wagen seine Höchstgeschwindigkeit durchgehend beibehalten kann. Das sei bei den Elektro-Fahrzeugen der Konkurrenz nicht der Fall, so Wienkötter, weil sehr hohe Geschwindigkeiten ihre Elektronik und Mechanik zu sehr in Anspruch nehmen würden.

Vom „Taycan“ sollen im ersten Jahr 20.000 Stück produziert werden. Die hauptsächlichen Ziel-Absatzmärkte sind neben Deutschland China, die USA, Großbritannien sowie Norwegen. Das Land hat zwar nur 5,36 Millionen Einwohner, ist aber wegen seiner Vorreiter-Rolle bei der Elektromobilität (mehr als jede zweite Neuzulassung ist ein Stromer) und aufgrund der hohen Kaufkraft ein wichtiger Markt für E-Fahrzeuge. Der Grundpreis eines „Taycans“ wird bei rund 90.000 bis 100.000 Euro liegen. Kunden haben bereits jetzt die Möglichkeit, beim Händler eine Anzahlung zu leisten. In einem Interview mit dem britischen CarMagazine sagte Porsche-CEO Blume, die Zuffenhausener sehen in ihrem Stromer eine überlegene Alternative zu Teslas Flaggschiff „Model S“, unter anderem, weil die Amerikaner nicht in der Lage wären, gleichbleibend hohe Stückzahlen zu produzieren und die Kunden deshalb immer wieder lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssten.

Porsche hat angekündigt, bis 2022 sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität zu investieren. Die dafür notwendigen Einsparungen sollen konzernweit mit mehr Effizienz in Produktion und Produktentwicklung erreicht werden. „Wir glauben an die Zukunft der Elektromobilität und haben bereits weitere E-Autos in Planung“, betont Wienkötter, hält sich jedoch zu den Modellen bedeckt: „Details können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekanntgeben.“ Porsches Investitionen in die Elektromobilität bedeuten allerdings nicht, dass sich das Unternehmen vom Verbrennungsmotor verabschiedet, im Gegenteil, so Wienkötter: „Wir planen unsere Zukunft auf Grundlage eines Drei-Säulen-Modells.“ Säule Nummer eins soll der Verbrennungsmotor sein, zu dem es bei besonders sportlichen Modellen bislang keine Alternative gebe. Die zweite Säule sollen Hybrid-Modelle darstellen, die Porsche derzeit in Form des Panamera und des Cayenne anbietet. Bei diesen beiden Modellen könne an einer Ausweitung der Reichweite gearbeitet werden, so Wienkötter; denkbar sei auch, dass gänzlich neue Modelle entwickelt werden. Die dritte Säule seien reine Elektro-Fahrzeuge. „Wir werden sehen, was der Markt in Sachen Elektro-Mobilität fordert und welche Möglichkeiten er bietet“, so Wienkötter.

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