Steigende Energiepreise setzen Mittelstand unter Druck

Höchster Stand seit vier Jahren/ im Süden teurer als im Norden

 

Der Mitarbeiter eines Heizöl-Lieferanten befüllt einen Tank. (Foto: dpa)

Der Mitarbeiter eines Heizöl-Lieferanten befüllt einen Tank. (Foto: dpa)

Der Heizöl-Preis erreicht den höchsten Stand seit 2014. Bundesweit beträgt er im Durchschnitt 83 Cent pro Liter.

In die Höhe getrieben wird der Preis durch mehrere Faktoren, wie der Rohstoff-Analyst der HSH-Nordbank, Jan Edelmann, im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten erläuterte.

Ein Faktor ist die steigende Nachfrage. Aufgrund des äußerst warmen Wetters im bisherigen Jahresverlauf hatten die Verbraucher bisher unterdurchschnittlich wenig Heizöl geordert. Mit Beginn des Herbsts und den damit verbundenen niedrigen Temperaturen hat auf einmal der Run eingesetzt und die Bestellungen schießen innerhalb kurzer Zeit kräftig in die Höhe.

Ein weiterer Faktor ist die relative Schwäche des Euro. Derzeit notiert er bei 1,15 Dollar. Vor einem Jahr lag er noch bei 1,20 Dollar, Anfang 2018 sogar bei 1,25 Dollar. Da Rohöl in Dollar gehandelt wird, steigen für Verbraucher aus dem Euro-Raum die Preise für Produkte, die auf Öl basieren.

Der wichtigste Grund für den Anstieg des Heizöl-Preises ist der höhere Ölpreis. Ein Barrel kostet derzeit 80 Dollar, bei steigender Tendenz, also rund 40 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Bedingt wird dieser hohe Preis primär durch die hohe Nachfrage aufgrund der starken Weltwirtschaft (das globale Wachstum dieses Jahr beträgt 3,8 Prozent), die Produktionsausfälle im Krisenstaat Venezuela sowie die ausfallenden Lieferungen aus dem Iran (durch die Sanktionen gelangen rund 1,25 Millionen Barrel pro Tag weniger auf den Markt).

Mit einem niedrigeren Ölpreis ist laut Edelmann erst wieder Mitte nächsten Jahres zu rechnen, wenn die OPEC-Staaten ihre sogenannten freien Förderkapazitäten auf den Markt bringen. Ein früherer Produktionszuwachs ist technisch nicht möglich, weil viele Anlagen erst noch gewartet und produktionsklar gemacht werden müssen. Ein weiterer Faktor, der die Ölpreise nächstes Jahr voraussichtlich wieder sinken lassen wird, ist die zu erwartende Abkühlung der weltweiten Konjunktur.

Was den derzeitigen Heizölmarkt in Deutschland anbelangt: Die Preise in Süddeutschland steigen stärker als die im Norden. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen die Explosion – und Fast-Katastrophe – in einer bei Ingolstadt gelegenen Raffinerie von BayernOil Anfang September. Zum anderen die geringen Niederschläge der vergangenen Monate. Sie haben dazu geführt, dass die Pegelstände der Wasserstraßen – vor allem Rhein und Main-Donau-Kanal – äußerst niedrig sind, weswegen die Schiffe häufig nur rund ein Drittel ihrer Kapazitäten nutzen können, was eine enorme Verteuerung der Frachtraten nach sich zieht.

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