Schweiz: EU-Bindung lässt Löhne nicht sinken

Eine stärke Anbindung an die EU wird in der Schweiz keine Lohnsenkungen zur Folge haben.

Die Schweiz wird ein Hochlohnland bleiben, auch wenn sie sich künftig noch stärker an die EU bindet. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Credit Suisse (CS), welche die Bank im Rahmen ihrer vierteljährlich erscheinenden Publikation „Monitor Schweiz“ erstellt hat.

Dass sich die Schweiz noch stärker an die EU bindet, scheint angesichts der bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen über das neue Rahmenabkommen alles andere als unwahrscheinlich. Dass diese enge Bindung allerdings das Lohnniveau in der Schweiz drücken oder gar auf EU-Niveau absenken wird (ein Durchschnittsgehalt in der Schweiz beträgt mit rund 75.000 Franken genau doppelt so viel ein Durchschnittsgehalt in der EU) sei nahezu ausgeschlossen. Das sagte Claude Maurer, Leiter des Bereichs „Konjunkturanalyse Schweiz“ der CS, auf einer Pressekonferenz.

Zwar gehören die drei Nicht-EU-Mitglieder Schweiz, Norwegen und Island sowie die beiden EU-Mitglieder Schweden und Dänemark, die beide nicht über den Euro verfügen, allesamt zu den absoluten Hochpreis- und Hochlohnländern. Die Analyse habe jedoch ergeben, dass dies bei keinem der fünf Länder seiner jeweiligen Sonderstellung oder irgendeiner Form des Protektionismus geschuldet ist, sondern ausschließlich seiner volkswirtschaftlichen Stärke.

Eine stärkere Einbindung in die EU werde auch nicht zu niedrigeren Preisen in der Schweiz führen, so die CS-Experten. So seien die Preise in den fünf eben genannten Staaten zwar durchgehend hoch, in Ländern mit ähnlicher Wirtschaftsstruktur wie Deutschland und Österreich seien sie jedoch – gemessen an der Wirtschaftsleistung – relativ niedrig. Das zeige, dass es – trotz EU-Mitgliedschaft oder starker EU-Nähe – weiterhin länderspezifische Besonderheiten gebe, und eine dieser Besonderheiten sei eben das äußerst hohe Preisniveau in der Schweiz. Hohe Preis machten jedoch auch hohe Löhne erforderlich – zu einem Absinken des Lohnniveaus werde es daher nicht kommen. Oliver Adler, der Chefökonom der CS, zieht folgendes Fazit: „Wir wären sehr überrascht, wenn es in der Schweiz mit einer stärkeren Einbindung zu einem großen Preis- und Lohnrutsch käme.“

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