Konjunktur-Delle in China trifft deutschen Mittelstand

Mäßiges Wachstum/ Handelskrieg schwächt

Der Frachter ist voll mit Containern - aber neue Stahlboxen für das nächste Schiff stehen auf dem Terminal nur wenige. Foto: dpa

Der Frachter ist voll mit Containern – aber neue Stahlboxen für das nächste Schiff stehen auf dem Terminal nur wenige. Foto: dpa

Chinas Wirtschaftswachstum ist auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten gefallen. Die Volkswirtschaft sei 2018 nur noch um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, wie das chinesische Statistikamt mitteilte. Auch deutsche Unternehmen müssen sich auf schwierigere Zeiten im Reich der Mitte einstellen.

Der Rückgang verschärfte sich zum Jahresende. Das Wachstum fiel im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar auf nur noch 6,4 Prozent – ähnlich niedrig wie zuletzt 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise. Die Aussichten für das angelaufene Jahr sind damit ungünstig. Sowohl die Weltbank als auch viele Experten rechnen damit, dass das Wachstum unter 6,5 Prozent fallen wird. Wie stark der Rückgang ausfallen wird, hängt unter anderem davon ab, ob die Handelsspannungen mit den USA eskalieren oder eine Einigung gefunden werden kann.

Zu bedenken ist allerdings, dass die chinesische Wirtschaftsleistung noch immer stark steigt – insbesondere gemessen an anderen Volkswirtschaften. Zudem ist eine realwirtschaftliche Ausweitung von fast 7 Prozent im Jahr 2018 deutlich umfangreicher als ein Wachstum von 10 Prozent im Jahr 2010.

„Der Handelskrieg macht sich derzeit vor allem in einer wachsenden Unsicherheit bemerkbar“, sagt Max Zenglein, Leiter des Programms Wirtschaft bei der in Berlin ansässigen Denkfabrik „Mercator Institute for China-Studies (MERICS)“. Schwächelnde Exporte und Zurückhaltung bei Investitionen wirkten sich bereits auf das Wachstum aus: „Richtig ernst dürfte es aber erst werden, wenn es bis März keine Lösung gibt und es zu weiteren Zollerhöhungen kommt.“

Deutsche Unternehmen dürften sich in China künftig mehr zurückhalten. „Es ist zwar mit keinem dramatischen Einbruch in der Nachfrage nach deutschen Waren zu rechnen, allerdings werden die deutschen Unternehmen sich an die neuen Realitäten anpassen müssen“, meint Zenglein. Deutsche Autobauer, die stark von China abhängig sind, müssen sich bereits auf den ersten Einbruch des größten Fahrzeugmarktes der Welt seit zwei Jahrzehnten einstellen.

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