Die Automatisierung erfasst die Logistik-Branche

Immer mehr Roboter/ Hohe Output-Steigerung

Die Zahl der in der Logistik eingesetzten Roboter steigt rasant – aber die menschenlose Lagerhalle liegt noch in ferner Zukunft. Foto: dpa

Die Zahl der in der Logistik eingesetzten Roboter steigt rasant – aber die menschenlose Lagerhalle liegt noch in ferner Zukunft. Foto: dpa

Laut des Branchenverbands „International Federation of Robotics“ (IFR) wurden im Jahr 2017 knapp 70.000 Logistik-Roboter verkauft, 2018 sollen es schon 115.000 gewesen sein. Bis 2021 seien Steigerungsraten von 40 Prozent pro Jahr zu erwarten.

Bisher verdrängen die Roboter keine Mitarbeiter, denn die mechanischen Helfer verfügen lediglich über eingeschränkte Fähigkeiten. Den Output steigern sie dennoch, und zwar in hohem Maße. Was auch unbedingt nötig ist – schließlich bestellen immer mehr Deutsche im Internet. „Dieser anhaltende E-Commerce-Boom macht hohe Investitionen in die Logistiknetzwerke nötig, weil Kunden verstärkt erwarten, dass die Ware innerhalb eines Tages oder sogar taggleich geliefert wird“, sagt Tom Riley, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft AXA Investment Managers. „Dadurch – wie auch durch zunehmende Retouren – wird der Vertrieb komplizierter.“

Der Chef des Münchner Roboter-Herstellers „Magazino“, Frederik Brantner sagt, dass die Logistik auch deshalb unter Druck stehe, „weil es einfach keine Arbeitskräfte mehr auf dem Markt gibt“. Es müssten Lösungen gefunden werden, um Menschen, so gut es gehe, zu ersetzen. Ein Ausweg soll der von Magazino entwickelte mobile Roboter „Toru“ sein. Er kann etwa Schuhkartons in Regale ein- und auslagern und zur Übergabestation bringen. Toru sammelt in einem Modellversuch für den Online-Modehändler Zalando in Erfurt Kartons ein. Doch Roboter können eben nur bis zu einem bestimmten Grad Menschen ersetzen – Kleidung in Folie etwa kann der mechanische Kollege nicht greifen. „Die Kombination aus Mensch und Maschine wird auch in den nächsten Jahren noch unschlagbar sein“, meint daher Zalandos Logistik-Chef Carl-Friedrich zu Knyphausen. „Die vollkommen menschenleere Lagerhalle wird es nie geben“, ist sich auch Brantner sicher.

Auch beim Logistikriesen DHL sind die Roboter in den Lagerhallen auf dem Vormarsch. „Wir arbeiten mit verschiedenen Technologien, von Datenbrillen bis hin zu kollaborativen Robotern“, sagt Markus Voss, CIO & COO Global bei DHL Supply Chain. „Die menschenleere Lagerhalle gibt es bei uns nicht“, berichtet auch er. Mensch und Maschine arbeiteten zusammen. Sehr eintönige Tätigkeiten würden dabei von Robotern erledigt. „Wir ersetzen den Menschen nicht, die Roboter unterstützen die Mitarbeiter.“ Dem pflichtet auch Patrick Schwarzkopf bei, Experte des Maschinenbau-Verbands VDMA. Logistik-Roboter könnten viele Gegenstände schon gut greifen, aber an Objekten wie Gummibärchen-Tüten scheiterten sie. „Die Fingerfertigkeit und Haptik des Menschen sind weit überlegen“, sagt er. „Deswegen läuft es auf eine Zusammenarbeit hinaus.“

Das sieht bei DHL dann etwa so aus: Roboter fahren ganze Regale durch die Lager, Mitarbeiter entnehmen die Waren und machen sie für den Versand fertig. „Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Felder wo der Roboter-Einsatz wirklich Mehrwert schafft – so werden beispielsweise einzelne Pralinen von Roboter-Armen in vorgefertigte Adventskalender gelegt, was ansonsten Mitarbeiter händisch machen müssten“, sagt Voss. Er sieht großes Potenzial für die Roboter: „Heute sind etwa 80 Prozent der Lager noch komplett manuell – das ist nicht nur bei DHL so, das gilt für die ganze Industrie.“ In spätestens fünf Jahren würden aber weltweit rund 80 Prozent der Lager digital unterstützt werden, so Voss´ Prognose.

Ein weiteres Feld ist die Nutzung von Daten. „Derzeit werden viele Entscheidungen im Laufe der Lieferkette von Menschen getroffen – vor allem auf Basis von Erfahrungen – aber das birgt auch die Gefahr von Fehlentscheidungen“, sagt Voss. Das soll sich ändern: „Durch die Digitalisierung weiß man zu jedem Zeitpunkt, wo sich welches Produkt befindet und in welchem Zustand es ist.“ Ob es schon in wenigen Jahren Logistikketten gebe, bei denen autonom fahrende Lastwagen Güter in mit Robotern ausgestattete und voll digitalisierte Lager bringen und diese dann – überwacht von Drohnen – zu den Kunden transportieren, sei offen. Experten zweifeln daran. Eines sei aber sicher, so Voss: „Wir werden signifikante Fortschritte sehen.“

Den Arbeitnehmern treibt der Kollege Roboter zumindest bislang keine Sorgenfalten auf die Stirn: „Wo schwere Arbeit durch Roboter abgenommen wird, ist das gut“, sagt Thomas Koczelnik, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Deutschen Post. „Stand heute haben wir noch keine Arbeitsplatzverluste feststellen können“, berichtet er. Sigrun Rauch, Bereichsleiterin Postdienste der Gewerkschaft Verdi, betont: „Wenn Arbeitsabläufe erleichtert und die Beschäftigten an Produktivitätsgewinnen beteiligt und die Arbeitsverhältnisse nicht inhumaner werden, ist nichts gegen den Einsatz von Robotern einzuwenden.“

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