Windkraft zu teuer: Investition in Solarenergie lohnt sich

Lange Genehmigungs-Verfahren/ Attraktive Photovoltaik-Projekte

Die Kosten der Energiewende steigen. Im Jahr 2018 kosteten die Auflagen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Stromkunden in Deutschland insgesamt 26,6 Milliarden Euro, so viel wie nie zuvor.

Laut einer Analyse des Kölner „Instituts der deutschen Wirtschaft“ (IW) ist vor allem die Förderung der Windenergie ein wachsender Kostenfaktor. Hier seien Einsparungen möglich, wenn man statt der Wind- verstärkt die Solarenergie fördern würde.

Derzeit gibt der Staat für Wind- und Solarenergie separate Ausschreibungsmengen vor. Die günstigsten Gebote erhalten jeweils die ausgeschriebene Förderung, und damit eine garantierte Mindesteinspeise-Vergütung für die ersten 20 Jahre.

Laut aktuellen Zahlen muss die Solarenergie auf Freiflächen am wenigsten gefördert werden. In der Ausschreibung im Februar 2019 lag die Förderung im Schnitt bei 4,8 Cent pro Kilowattstunde. Das ist nur halb so viel wie zu Beginn des Jahres 2015.

Um ein Drittel höher als bei der Solarenergie auf Freiflächen ist die Förderung der Windenergie. In der Februar-Ausschreibung lag der Zuschlag für die Einspeisevergütung hier bei durchschnittlich 6,1 Cent pro Kilowattstunde.

Mehr als 6,2 Cent pro Kilowattstunde durfte nicht geboten werden, und einige Windkraftanlagen bekamen mit diesem Höchstwert den Zuschlag. Denn insgesamt gab es viel weniger Gebote, als Förderungen für Wind an Land ausgeschrieben waren.

Ein erheblicher Teil der Anfang Februar ausgeschriebenen 700 Megawatt fand keine Abnehmer. Nur Windprojekte mit einem Gesamtvolumen von 476 Megawatt erhielten einen Zuschlag. Für mehr als 200 Megawatt fehlten die Bieter.

Ein möglicher Grund für die fehlenden Gebote besteht darin, dass sich der Betrieb von Windrädern an Land für Investoren derzeit nicht rechnet, wenn diese nur mit maximal 6,2 Cent pro Kilowattstunde gefördert werden.

Schon im Verlauf des Jahres 2018 waren die Angebote an Projekten für Windräder an Land geschrumpft. Die bewilligte Menge an neuem Windstrom blieb immer weiter hinter dem ausgeschriebenen Gesamtvolumen zurück.

Bei Ausschreibungen für Solaranlagen zeigt sich das umgekehrte Bild. Hier gab es zuletzt Photovoltaik-Projekte mit einem Gesamtvolumen, das etwa zweieinhalbmal so hoch war wie die ausgeschriebene Menge von 175 Megawatt.

Der Kostenvorteil großer Solaranlagen gegenüber Windenergieanlagen auf dem Land zeigt sich auch bei den zwei gemeinsamen Ausschreibungen. Im Frühling und Herbst 2018 setzte sich dabei jeweils das Solarenergie-Gebot gegen das Windenergie-Gebot durch.

In der Februar-Ausschreibung war sogar die teuerste Förderung bei den Solaranlagen noch billiger ist die günstigste Windpark-Förderung (maximal 5,18 Cent pro Kilowattstunde bei Solar gegenüber mindestens 5,24 Cent bei Wind).

IW-Energieökonom Frank Obermüller kritisiert, dass der Staat so hohe Mengen Windenergie an Land fördert, obwohl diese viel stärker subventioniert werden muss als die Solarenergie. Umgekehrt wäre es sinnvoller, meint er.

Im laufenden Jahr beträgt der geplante Zubau bei der Windenergie an Land 2,8 Gigawatt. Das ist beinahe doppelt so viel wie die Ausschreibungsmenge für Solaranlagen in Höhe von knapp 1,5 Gigawatt.

Und die von Obermüller empfohlene gemeinsame Ausschreibung von Wind und Solar ist mit 0,4 Gigawatt noch geringer. Und auch in den kommenden Jahren ist hier keine Erhöhung vorgesehen.

Die höheren Kosten der Windenergie an Land sind nicht in der Stromerzeugung begründet, wo sie durchaus mit der Solarenergie konkurrieren kann. Daher lagen die Zuschlagswerte für Windenergie noch vor einem Jahr in derselben Größenordnung wie heute bei großflächigen Solaranlagen.

Die heute deutlich höheren Förderungskosten der Windenergie sind vor allem die Folge sehr aufwendiger Genehmigungsverfahren. Hinzu kommt die Unsicherheit, dass auch nach erfolgter Genehmigung noch Klagen gegen Windenergieanlagen möglich sind.

Neben einer höheren Ausschreibungsmenge bei der Solarenergie auf der einen Seite fordert IW-Energieökonom Obermüller daher auf der anderen Seite schnelle und zuverlässige Genehmigungsverfahren für Windparks.

Der Präsident des Bundesverband Windenergie (BWE), Hermann Albers, sieht das ähnlich. „Seit 2017 erleben wir einen Stillstand in den Genehmigungsverfahren. Über 10.000 Megawatt Wind an Land stecken bundesweit im Verfahren fest“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Genehmigungsverfahren dauerten inzwischen mehr als zwei Jahre, ergänzt ein BWE-Sprecher. Zudem würden 80 Prozent aller Windpark-Projekte beklagt. Dabei argumentierten Anwohner und Umweltverbände vor allem mit dem Artenschutz, etwa weil sich auf einmal Vögel im genehmigten Gebiet ansiedeln und brüten.

Selbst Genehmigungen stellen nach Ansicht des BWE heute keine wirkliche Rechtssicherheit mehr dar. Der Verband fordert daher eine Beschleunigung der Verfahren, etwa indem man Fristen für die Klagebegründung verkürzt und Einsprüche auf eine Gerichtsinstanz beschränkt.

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