Eurozone steht vor schwerer Belastungsprobe

EZB ohne Konzept/ Ausgabe von Helikopter-Geld

Zehn Jahre ist es her, dass sich die Welt in einer ernsthaften Wirtschaftskrise befand. Gelernt haben die Verantwortlichen aus dieser Krise jedoch offensichtlich äußert wenig. Die Probleme der letzten Finanzkrise wurden keinesfalls gelöst, sondern lediglich per Notenpresse in die Zukunft „gedruckt“, sprich verlagert. Jetzt sind die Probleme wieder da. Die Anzeichen in der Eurozone stehen auf Rezession. Jedoch nicht nur in Südeuropa, das sich seit 2008 nicht mehr richtig erholt hat, sondern eben auch beim Exportweltmeister Deutschland. Nach einem historisch einmaligen künstlichen Boom, ausgelöst durch niedrige Zinsen und billiges Geld, geht der Zyklus dem Ende entgegen – es sind stürmische Zeiten zu erwarten.

Die Zinsen in der Eurozone sind bereits auf null Prozent gesunken, das Aufkaufprogramm hat die Bilanz der EZB um 2,5 Billionen Euro aufgebläht. Jedoch lässt die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu wünschen übrig. Die Target2-Salden unterstreichen zudem, dass das ganze Eurosystem dysfunktional ist. Deutschland hat momentan 868 Milliarden Euro zinsfrei an die Partner verliehen – das entspricht einem Viertel des jährlichen Bruttoinland-Produkts.

Italiens Wirtschaft darbt und steckt bereits in der Rezession, in Frankreich gehen die Bürger auf die Straße, und der Brexit droht, unkoordiniert über die europäische Bühne zu gehen. Griechenland, welches im August 2018 noch von der EZB und der EU als geheilt bezeichnet wurde, hat bald wieder genauso so viele Schulden wie vor der gigantischen Rettungsaktion, und die Finanzbranche in Italien und Spanien ist immer noch extrem belastet mit notleidenden Krediten – teilweise sind die Geldhäuser faktisch insolvent.

Es stellt sich die Frage, was die Europäische Zentralbank (EZB) tun wird, um das System in dieser schwierigen Situation weiter zu stützen. Tatsache ist, dass – anders als die Federal Reserve in den USA – die EZB aufgrund des Euro-Zwangskorsetts die Zinsen nicht erhöhen konnte, um sich einen Puffer zu schaffen. Mit anderen Worten: Die Ausgangslage für die Bewältigung einer Krise ist alles andere als günstig. Sollte es gar zu einer Krise in den Ausmaßen der Finanzkrise von 2007 bis 2010 kommen, würde dies wahrscheinlich das Ende der Eurozone bedeuten.

Beim Aufkommen der nächsten Krise könnte die EZB die Zinsen noch weiter senken, also Negativzinsen installieren. Die Folgen davon wären allerdings schwerwiegender Natur. Es ist nämlich davon auszugehen, dass die Bürger dann die Banken stürmen und ihre Konten leeren würden, da es für sie immer noch günstiger wäre, ihr Geld im Schließfach zu horten als auf dem dann teuren Sparbuch. Die Einführung von Negativzinsen ist also nicht unbedingt zu erwarten.

Nichtsdestotrotz werden die Banken wahrscheinlich bald wieder jede Menge frisches Geld benötigen. Was kann die EZB als tun?

Nicht auszuschließen ist, dass sie auf die Möglichkeit zurückgreift, sogenanntes „Helikoptergeld“ auszugeben. Darunter versteht man Geld, das die Zentralbank (direkt oder indirekt) in sehr großen Mengen in den Wirtschaftskreislauf pumpt, um die Konjunktur anzukurbeln. Wobei dieses Geld von der Zentralbank einfach gedruckt oder genauer gesagt, elektronisch per Knopfdruck erschaffen wird.

Wobei man sich eines bewusst sein sollte: Dass ein solches Vorgehen das bestehende System retten würde, steht keinesfalls fest. Es könnte auch zu einer gewaltigen Inflation und damit zu noch mehr und zu noch größeren Problemen kommen.

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