Drohender Brexit hat deutscher Wirtschaft schon geschadet

Export-Rückgang/ Milliardenverluste

Lastwagen kommen im Hafen von Dover an. Foto: dpa

Lastwagen kommen im Hafen von Dover an. Foto: dpa

Im Jahr 2015 war Großbritannien noch der drittgrößte deutsche Exportmarkt. Doch dann stimmten die Briten für den Austritt ihres Landes aus der EU. Mittlerweile nimmt das Vereinigte Königreich – hinter den USA, Frankreich, China und den Niederlanden – nur noch den fünften Rang ein.

Sowohl der „Deutsche Industrie- und Handelskammertag“ (DIHK) als auch der „Bundesverband der Deutschen Industrie“ (BDI) betrachten die schrumpfenden Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien mit Sorge.

Während Deutschland im Jahr 2015 noch Güter und Dienstleistungen im Wert von rund 89 Milliarden Euro exportierte, waren es 2018 nur noch 82 Milliarden Euro. Das ist ein Rückgang von 7,9 Prozent.

„Besonders aussagekräftig ist der zurückgehende Export ins Vereinigte Königreich, wenn man ihm die Zuwächse (teilweise im zweistelligen Bereich, Anm. d. Red.) in die gesamte EU gegenüberstellt“, sagte DIHK-Pressesprecher Christian Jekat den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Und weiter: „In unserer aktuellen Brexit-Umfrage wird deutlich, dass knapp 70 Prozent der deutschen Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich ihre dortige Geschäftsperspektive als schlecht einschätzen.“ Derzeit plane jedes achte befragte deutsche Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien, Investition von dort nach Deutschland oder in andere Staaten der Europäischen Union zu verlagern.

Beim „Bundesverband der Deutschen Industrie“ sieht man die Situation ähnlich. „Obwohl noch gar nicht eingetreten, wirft der Brexit seine Schatten voraus“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang in der vergangenen Woche. Und weiter: „Landete das Vereinigte Königreich bei den deutschen Exporten 2017 noch auf Rang vier, reichte es 2018 nur noch für Rang fünf. Im Ein- und Ausfuhren zusammenfassenden Ranking unserer Handelspartner sackte es von Platz fünf auf Platz sechs. Wenn es ganz dick kommt, rechnen wir mit einem Rückschlag für die deutsche Wirtschaft in der Größenordnung von mindestens einem halben Prozent des BIP. Das wären rund 17 Milliarden Euro weniger Wirtschaftskraft allein in diesem Jahr.“

Wegen der anhaltenden Unsicherheit sind konkrete Vorbereitungen in den Unternehmen nur begrenzt möglich. Laut DIHK sind die genauen Folgen des Brexits für mehr als die Hälfte der Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht kalkulierbar.

Rund drei Viertel der Unternehmen sorgen sich wegen drohender zusätzlicher Zollbürokratie. Daneben bilden höhere Kosten infolge von Zöllen und Einfuhrsteuern sowie die rechtlichen Unsicherheiten die größten Risikofaktoren.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor teuren Herausforderungen. Ein harter Brexit würde laut DIHK zu Mehrbelastungen durch die zusätzliche Zollbürokratie sowie die Zahlung von Zöllen in Milliardenhöhe führen.

 

 

 

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