Experten rechnen mit Pleitewelle bei Stromanbietern

Steigende Großhandelspreise/ Keine Vorsorge getroffen

Eine ganze Reihe von Stromanbietern wird nach Meinung von Experten das Jahr 2019 nicht überstehen. Foto: dpa

ARCHIV – 25.07.2018, Eine ganze Reihe von Stromanbietern wird nach Meinung von Experten das Jahr 2019 nicht überstehen. Foto: dpa

Experten rechnen mit weiteren Pleiten im Strommarkt. Das heißt, dass sich die Entwicklung der vergangenen Monate voraussichtlich fortsetzen wird. So mussten in jüngster Zeit etwa die Billiganbieter „BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft“ und „DEG Deutsche Energie“ Insolvenz anmelden. Insgesamt rechnet Andreas Schwenzer, Energieexperte bei der Managementberatung „Horváth & Partners“, mit einer zweistelligen Anzahl von Firmenpleiten im Stromsektor im Laufe des Jahres 2019.

Ursache für die Pleiten sind vor allem die gestiegenen Großhandelspreise für Strom im Jahr 2018. Einige Anbieter waren darauf nicht vorbereitet, gingen vielmehr von stabilen oder fallenden Preisen aus. Da die meisten Stromlieferanten mit ihren Kunden für die Vertragslaufzeit Festpreise vereinbaren, können sie die gestiegenen Beschaffungskosten nicht weitergeben. Da viele Firmen Strom nicht im Voraus kaufen, werden die steigenden Energiepreise für sie zum Problem. Zumal es für sie schwierig ist, die gestiegenen Preise an ihre Kunden weiterzureichen, selbst wenn es für die Vertragslaufzeit keine Festpreise gibt – die Kunden haben im Fall einer Preiserhöhung nämlich ein Sonderkündigungsrecht.

„Es gibt immer mehr wechselwillige Verbraucher“, sagt Schwenzer dann auch. „Sie nutzen das System aus und wechseln jedes Jahr in einen neuen günstigen Tarif.“ Für die sogenannten Energie-Discounter, die mit Wechselboni und besonders günstigen Tarifen für das erste Jahr am Markt auftreten, kann das ruinös werden. Schließlich basiert ihr System eigentlich darauf, dass viele Kunden schlicht vergessen, zu kündigen, oder zu träge sind, zu wechseln, und dann im Folgejahr höhere Preise zahlen. Dieses Kalkül geht immer häufiger nicht mehr auf. Bei den Neukunden-Tarifen zahlen die Anbieter häufig aber drauf. „Das Geschäftsmodell der Billiganbieter funktioniert nicht mehr“, bilanziert Schwenzer.

Von der jüngsten Pleite der „BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft“ aus München Ende Januar waren rund 500.000 Kunden betroffen. Die Insolvenz der „DEG Deutsche Energie“ mit Sitz in Baden-Württemberg Ende 2018 traf unter anderem auch Großkunden wie den Deutschen Bundestag, das Land Brandenburg und die Elbphilharmonie. Im Laufe des vergangenen Jahres mussten zudem die „Deutsche Erdgas Versorgungs-GmbH“, „die Energieagenten Versorgungs GmbH“ sowie „e:veen Energie“ abgewickelt werden. Schwenzer sieht in den aktuellen Pleiten ein „reinigendes Gewitter“, das noch nicht abgezogen ist: „In diesem Jahr dürfte es weitere Unternehmen in einer etwa zweistelligen Größenordnung treffen. Bis Ende des Jahres dürfte die Pleitewelle dann abebben.“ Die Unternehmen hätten verstanden, dass sie Strom nicht zu lange im Voraus zum Festpreis günstig verkaufen dürfen, ohne sich bei der Beschaffung abzusichern. „Seriöse Anbieter wirtschaften vernünftiger. Die Firmen, die dieses Jahr durchstehen, dürften solide aufgestellt sein.“

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.